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last upadate: 7/01/2021

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Der BITCOIN-Wahnsinn oder: Milchmädchen, Achtung!

Liebe Milchmädchen, Ihr müsst jetzt ganz, ganz vorsichtig sein und aus Euren Träumen erwachen! Denn Ihr wisst ja, die Kanne, in der Ihr die Milch zum Markte tragt, kann zerbrechen und aller Gewinn ist perdu und damit auch die schönen Dinge, die Ihr kaufen wolltet. Ihr wisst ja, das heißt „Milchmädchenrechnung“. Kennt Ihr auch die „Milchmädchenhausse“, die im übertragenen Sinne dasselbe meint, nur im Falle des Aktienhandels selbstverschuldete Abzocke? Und damit bin ich beim Bitcoin-Wahnsinn. Der Preis für 1 Bitcoin (BC), diese virtuelle Währung, war 2017 von 1000 Euro auf 16.000 Euro gestiegen, und ich erhielt fast täglich unabwehrbare Aufforderungen, mich zu beteiligen. Nun, nach einem Crash in 2017 hat der Kurs Anfang 2021 noch höhere Regionen erreicht - der nächste Crash wird Euch, Mildmädchen, um eure Ersparnisse bringen. Also Vorsicht! Und ich will sofort erläutern warum: Noch 2017 nahmen die weltgrößen Derivatebörsen in Chicago (die CBOE und die CME) den Handel mit Terminverträgen (Futures) auf BCs aufnehmen, nachdem die US-Derivateaufsicht dies erlaubt hat. (Ein Future ist eine Wette zwischen Anbieter und Nachfrager auf den Preis einer Finanzanlage und soll dem Anbieter zur Sicherung seiner Preiserwartung dienen. Doch dazu später.)

Zunächst einmal ist es wichtig, einige einfache Grundtatbestände des BC zu kennen. Zunächst wissen wir ja, dass es sich um eine digitale, virtuelle „Währung“ oder auch Kryprtowährung handelt, mit der ihre Produzenten/Anbieter der Regulierung des Geschäftsbankensektors durch die Notenbanken entgehen und Aktivisten im Darknet den Rechtsstaat und die Landesgesetze (illiegale Waffen, Kinderpornos) umgehen wollen. Um solche Finanz- und anderen Geschäfte zu tätigen, muss man aber über BCs verfügen. Man kann sie kaufen, indem man einem Anbieter oder Produzenten echtes Geld zum aktuellen Preis überweist. Man, und das heißt tatsächlich: jeder, kann sie aber auch selbst „schürfen“. Man ist dann ein sog. Miner oder Teil eines Miner-Pools. Bitcoin werden geschürft, indem die Miner auf ihren Computern oder Computernetzwerken kryptographische (versteckte) Rätsel lösen. Das geht nur mit Großrechenanlagen oder entsprechend vernetzten Einzelcomputern und kostet sehr viel Energie. Deshalb sind einige Großrechenanlagen in Ländern mit billiger Energie platziert (Island). Man kann sie auch klauen, wie kürzlich in Slowenien, wo ein Hacker 2017 4700 Bitcoins gestohlen hat (damals 68 Mio. Dollar). Aber für Euch Milchmädchen kommt das Schürfen oder Klauen eher nicht in Frage, sondern das Kaufen.

Allerdings ist das Angebot von BCs tendenziell immer beschränkt, wie etwa das von Gold. Bitcoin-Spekulation hat sehr viel gemeinsam mit Goldspekulation, nur das Gold real ist und ein Bitcoin nicht. Ein Problem war das bisher noch nicht. Denn BC-Plattformen, wo man kaufen und verkaufen kann, waren dünn gesät. Es kann aber jetzt zu einem Problem werden, da BCs auf „normalen“ Terminbörsen gehandelt werden können und manche Großanleger dem Starttermin geradezu entgegenfieberten. Und tatsächlich: Anfang 2021 ist der BC-Kurs auf sagenhafte 38.000 Dollar gestiegen.

Um das besondere Problem der Spekulation mit der virtuellen Währung BC, welches erheblich höher ist als eine Spekulation in der Realanlage Gold zu erklären, sind einige technische Ausführungen zu Terminverträgen bzw. Futures notwendig, die wie ich hoffe, verständlich genug sind.

Ende Oktober 2020 belief sich der Preis, den man für 1 BC zahlen musste („Kassapreis“), auf ca. Dollar 18.000. Angenommen. der „Terminpreis“, also der vom Markt für Anfang Januar 2021 festgelegte Preis belief sich dagegen Ende Oktober auf Dollar 20.000. Die Preisdifferenz ist die Prämie und erklärt sich hauptsächlich aus erwarteter Rendite und Nebenkosten. Wenn nun ein Investor/Käufer(Milchmädchen) glaubt, der Kassapreis wird bis Anfang Januar 2021 über den Terminpreis hinaus steigen, so wird er über seine Bank oder eine andere Finanzinstitution im Oktober 2020 einen Terminvertrag für diesen Januar-Zeitpunkt 2021 kaufen. In diesem Vertrag verpflichtet sich der gegenwärtige Besitzer (Verkäufer) eines BC, diesen gegen eine Zahlung von 20.000 Dollar an den Investor/Käufer zu liefern. Wenn beide Seiten den Vertrag einhalten, wechselnAnfang Januar 2021 Dollar 20.000 und 1 BC den Besitzer. Wenn aber der Kassapreis zum Zeitpunkt der Transaktion, also Anfang Januar 2021, über dem im Oktober 2020 geltenden Terminpreis liegt, so wie der Investor natürlich hofft, hält er/sie/es im Januar einen BC mit einem aktuellen Marktpreis von mehr als 20.000 Dollar und hat vielleicht einen schönen Gewinn gemacht, falls er seinen gerade neu erworbenen BC wieder zum höheren Kassekurs verkauft. Bitte sich zu merken, dass der Kassakurs für einen BC Anfang Januar bei 38.000 Dollar lag! Der Verkäufer des BC hätte einen Verlust gemacht, denn für die erhaltene Summe von 20.000 Dollar kann er keinen neuen BC kaufen, dessen Kassapreis mit 38.000 Dollar ja jetzt viel höher liegt. Also sehen wir hier alle Elemente einer Wette: Der Investor wettet auf einen Kassapreis oberhalb von Dollar 20.000, der Verkäufer auf einen Preis unterhalb, denn in diesem Falle hätte nicht der Käufer, sondern der Verkäufer einen Gewinn gemacht. Er hätte 20.000 Dollar erhalten und muss für einen neuen BC weniger ausgeben. Die Wahrscheinlichkeit, diese Wette zu gewinnen, ist für den Käufer oder Verkäufer sicherlich größer als ein 6er mit Superzahl im Lotto..

So weit, so gut! Um aber jetzt zu verstehen, wie die ganze Sache aus dem Ruder laufen kann, muss noch ein wichtiges Detail in diesen Vertragsabschluss erwähnt werden, nämlich die „gehebelte Spekulation“. Eine solche Wette wird ja nicht zwischen zwei Personen direkt abgeschlossen, sondern über einen Broker bzw. Makler. Der Makler vermittelt den Handel zwischen zwei anonymen Wettpartnern auf denTerminmärkten. Der Investor/Käufer muss einen Teil des Vertragspreises beim Makler hinterlegen („einschießen“) um der Terminbörse seine Bereitschaft zur Vertragserfüllung zu dokumentieren. Dieser Einschuss liegt gewöhnlich zwischen 5 % und 10 % des Vertragswertes, also in unserem Fall bei maximal 2000 Dollar. Durch diesen eher geringen Betrag ergibt sich eine Hebelwirkung, die an der Terminbörse zu außergewöhnlichen Profiten und V erlusten, in jedem Falle aber aufgeblähten Umsätzen führen kann. Der Käufer kontrolliert mit seinen vorgestreckten nur 2000 Dollar(die „Garantiesumme“) einen Terminwert von 20.000 Dollar. Wenn er also Ende Oktober 2020 18.000 Dollar zur Verfügung hatte, so hätte er zu diesem Zeitpunkt nicht nur einen BC, sondern 9 BCs per Termin kaufen können (18.000/2000). Das nennt man „gehebelte Spekulation“, die nur möglich wird, wenn eine Anlage an der Terminbörse gehandelt wird. Sie bläht die Nachfrage nach BCs um das 9fache auf und treibt den Kassapreis. Nehmen wir an, eines von Euch Milchmädchen hat 1 BC gekauft und richtig spekuliert: Es hat Ende Oktober 2000 Dollar "eingeschossen". Zum Termin Anfang Januar 2021 ist der Kassapreis auf 38.000 Dollar gestiegen, und das Milchmädchen verkauft den BC sofort für diese Summe, von der es dann die restlichen 18.000 Dollar für den Terminpreis zahlt. Es bleiben ihm 20.000 Dollar, die es in Relation zum eingeschossenen Betrag von 2.000 Dollar setzt. Das ist die Rendite, die in diesem Beispiel bei 1000 % liegt. 300 %. Das ist doch mal ein Anreiz für euch Milchmädchen, oder? Nun beginnt die Milchmädchenhausse, in der uninformierte Last-Minute-Anleger auf einen Zug springen, der demnächst gegen die Wand krachen wird. Denn die informierten Anleger, die mit ihrer gehebelten Spekulation den Preis immer weiter hinaufgetrieben haben, werden irgendwann befürchten, dass dieser Preis überrieben ist. Sie werden en Zug schon längst verlassen haben und Gewinne mitgenommen haben, wenn Ihr Milchmädchen noch aufspringt. Und wenn der Crash erstemal eingetreten ist - die gehebelte Spekulation funktioniert auch in die entgegengesetzte Richtung - , werdet Ihr viel Geld verlieren.

Das letzte und kürzere Kapitel der Geschichte erzählt, warum das auch für die Realwirtschaft gefährlich wird. Solange der Bitcoin nur im Internet gehandelt wurde, hat er aus der realen Wirtschaft nur Strom, Rechenkapazitäten und geringe echte Währungsbeträge abgezogen. Wenn aber die Profis mit den Praktiken der gehebelten Spekulation dazu stoßen, u.a. ihr Milchmädchen, müssen beträchtliche Finanzmittel für BC-Investitionen aus anderen Verwendungen abgezogen werden (die Bedeutung des Energieverbrauchs und der Rechenkapazitäten sinkt dagegen). Ihr werdet also Euro geringen, kaum Zinsen tragenden Sparbücher plündern. Das steigert die Zinsen auf den anderen Finanzmärkten und senkt die Werte anderer Anlagen, z.B. Aktien, was bereits negative Auswirkungen auf die Kreditvergabe der Banken an den Unternehmenssektor haben kann. Wenn aber die Bitcoin-Blase platzt, geraten die Anleger, vor allem aber Ihr, die doch so angestrebt sparen, in eine finanzielle Schieflage. Ihr müsstet Kapital nachschießen, weil der Kassapreis für 1 BC weit unter den Terminpreis gefallen ist. Die Folge sind Pleiten im Finanzsektor mit entsprechenden Ansteckungseffekten im Unternehmenssektor. Die letztendlich Leidtragenden werden die Milchmädchen sein, die nicht nur ihre Ersparnisse verlieren, sondern möglicherweise auch ihren Arbeitsplatz. (erstmals gepostet: 09/12/2017; aktualisiert 07/01/2020)


Den früheren Post: WER IST EIGENTLICH VERANTWORTLICH FÜR DIE CORONA-MISERE? (Die gegenwärtige natürlich), kann unter "Comments" (sidebar!) nachgelesen werden.


HERE ABOUT MY RESEARCH:

Published: "Elements, origins and future of Great Transformations: Eastern Europe and global capitalism": Economic and Labour Relations Review (ELRR), https://doi.org/10.1177%2F1035304620911123. The article is available as 'Online First'.

https://journals.sagepub.com/eprint/XCJUQKR7MAWIDHDJTNAD/full

The article is fully accessible to all users at libraries and institutions that have purchased a license.

This essay analyses the relationship of two ‘Great Transformations’: the first from socialism to capitalism, more specifically in Eastern Europe in the 1990s, and the second from regulated to unregulated capitalism in the global economy since the 1980s, with respect to their common origins, elements and social results. Applying Karl Polanyi’s double-movement concept, it is concluded that these two, in essence neoliberal, transformations have led to societies being deeply divided economically, socially and culturally. Moreover, the self-protection of transformation losers is generating adverse political outcomes on a global scale. For both reasons, the outcomes of neoliberal transformations are jeopardising also the viability of the European Union, which was initially built on the basis of a regulated capitalism. The future of the global economy and also of the European Union depends on how the conflicts between the deepening of unregulated globalisation, national sovereignty and democratic politics can be solved.

Published: The long-run properties of the Kaldor-Verdoorn law: a bounds test approach to a panel of Central and East European (CEE) countries. Empirica, (), 1-21. DOI: 10.1007/s10663-019-09467-0.The article is available as 'Online First'.

http://link.springer.com/article/10.1007/s10663-019-09467-0.

It is fully accessible to all users at libraries and institutions that have purchased a SpringerLink license. An expanded version can be find as .Narodowy Bank Polski, NBP Working Paper No. 318. Download: http://www.nbp.pl/publikacje/materialy_i_studia/318_en.pdf

This study attempts to identify the short- and long-run components of the Kaldor-Verdoorn (KV) law. The law claims that demand dynamics drive productivity dynamics. The claim is tested with a panel of ten Central and Eastern-European countries, where productivity and demand growth have been slowing since 2004/2006 and where fears of an end of convergent growth are spreading. Meanwhile, the gradual slowing of output and productivity growth applies not only to the region considered, but it is also a global phenomenon that is occurring despite remarkable technical progress and that is referred to as the productivity puzzle. However, this puzzle would be solved in light of the KV law. To test for its long-term properties, panel cointegration models with autoregressive distributed lags (ARDL) are applied. Our results confirm the law for the region; slower productivity growth is not due to ‘adverse technological progress’ but to weakening external and domestic demand, which might block the implementation of product and process innovations. A longer and slightly different version can be obtained as NBP Working Paper No. 318 (see below).

Just published: From the socialist command to a capitalist market economy – the case for an active state. In: European Journal of Economics and Economic Policy - Intervention. Special issue on the Economics of Kazimierzmierz Łaski (1921 - 2015), volume 16, issue 3.

Kazimierz Łaski belonged to the group of economists who particularly clearly and convincingly criticized the application of neoliberal doctrines to the transition of socialist countries into market economies. His analysis of the transition agendas was deeply rooted in the Kaleckian tradition of reasoning and brought him much respect but also fierce opposition in the international arena. In answering the why and how of his work, this article will summarize his contributions to the economics and politics of transition.

My current research projects include

  • Actual problems of European integration, chiefly: reforms of the governance system;

  • The role of the intererest rate in Keynesian and Kaleckian investment functions

  • Finance, growth and competitiveness of Central- and East European countries

I am a registered author of Repec - http://econpapers.repec.org/ and in Research Gate - http://www.researchgate.net/profile/Hubert_Gabrisch/info?editInstDialog=true