Welcome to my website

last update: 3/05/2022

The left-hand menu bar offers access to additional informations


Moralische Empörung ist der schlechteste Ratgeber

Jürgen Habermas hat vor einigen Tagen einen langen Essay in der Süddeutschen Zeitung* veröffentlicht, der einiges an Aufsehen erregt hat und Gegenstand öffentlicher Diskussion in den Feuilletons, aber auch in weiteren Intellektuellenkreisen geworden ist. Jene, die mit dem Gebrauch von Texten von Philosophen nicht geübt sind, verlieren sich in dem Essay oder missverstehen ihn. So fragte mich ein mir bekannter Ökonom: „Lange Rede kurzer Sinn?“ Ich antwortete: „Moralische Empörung ist der schlechteste Ratgeber“. Zudem verwies ich ihn auf jene Stelle, die mir das zentrale Argument von Habermas zu sein scheint:

“ Nachdem sich der Westen entschlossen hat, in diesen Konflikt nicht als Kriegspartei einzugreifen, gibt es eine Risikoschwelle, die ein ungebremstes Engagement für die Aufrüstung der Ukraine ausschließt. Wer ungeachtet dieser Schwelle den Bundeskanzler in aggressiv-selbstgewissem Tenor in diese Richtung immer weiter vorantreiben will, übersieht oder missversteht das Dilemma, in das der Westen durch diesen Krieg gestürzt wird; denn dieser hat sich mit dem auch moralisch gut begründeten Entschluss, nicht Kriegspartei zu werden, selbst die Hände gebunden.“

Man beachte die Verknüpfung des ersten mit dem letzten Satz: Wer sich entschließt, nicht Kriegspartei zu werden, bindet sich die Hände. Im Umkehrschluss, wer sich nicht die Hände binden will, muss Kriegspartei werden. Die Alternative lautet: Wer sich die Hände in dieser Weise gebunden hat, muss bei jedem Schritt genau die dessen Konsequenzen überlegen, vor allem, ob er durch unüberlegtes Handeln gegen seinen Willen zur Kriegspartei wird.

Was mein Gesprächspartner mich daraufhin fragte, war: „Also bedeutet dies, die Unterstützung für die Ukraine zu begrenzen?“. Diese Antwort zeigte das ungewollte oder gewollte Missverständnis der Ausführungen von Habermas. Denn dieser hatte weder für noch gegen eine Unterstützung der Ukraine argumentiert, sondern nur dafür, bei jeder Unterstützungsaktion die erwähnte Risikoschwelle in Betracht zu ziehen. Um diese zu identifizieren, bracht man Informationen und Abwägungen. Und da kann es schon geschehen, dass neue Informationen zu einer neuen Bewertung führen und damit auch zu dem, was dem Kanzler angekreidet wird: plötzliche Wendungen. Ich persönlich kann daran nichts aussetzen. (3/05/2022). Eine notwendige Ergänzung, bereits am 3. 5. beabsichtigt, aber zunächst nicht ausformuliert: Die Überlegungen von Habermas können und dürfen auch nicht in eine Richtung interpretiert werden, wie es die 28 Unterzeichner eines offenen Briefes an Olaf Scholz tun. In diesem Brief werden die Ukrainer quasi zur Kapitulation aufgefordert, weil, so die Belehrung, die Verantwortung für die Gefahr einer Eskalation zum atomaren Konflikt" nicht "allein den ursprünglichen Aggressor angehe", sondern "auch diejenigen, die ihm sehenden Auges ein Motiv zu einem gegebenenfalls verbrecherischen Handeln liefern". Es liegt nicht nur auf der Hand, dass der Westen, schon gar nicht Deutschland, Waffen an die Ukraine zur Selbstverteidigung liefern dürfe, sonder auch, dass der eigentliche, implizite, Agressor der Westen ist, der Putin zu seinen Tagen zwingt. Das ist keinesfalls etwas, was im Denken von Habermas auch nur im Ansatz zu finden wäre (siehe oben die Frage meines Gesprächspartners). (4/05/2022).


*https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/kultur/das-dilemma-des-westens-juergen-habermas-zum-krieg-in-der-ukraine-e068321/



Rezension zu: Wolfgang Streeck: Zwischen Globalismus und Demokratie. Politische Ökonomie im ausgehenden Neoliberalismus, Suhrkamp 2021, 538 Seiten


Viele Autoren suchen gegenwärtig nach Wegen zur Überwindung des neoliberalen Kapitalismus und seiner Hyper-Globalisierung. Den vielleicht im deutsch-sprachigen Raum weitestgehenden Versuch hat Wolfgang Streeck 2021 mit einem Plädoyer für einen Rückbau der EU in souveräne Nationalstaaten vorgelegt, das Aufsehen erregt und Widerspruch ausgelöst hat.

Wolfgang Streeck, geb. 1946, ist ein einflussreicher Gesellschaftswissenschaftler Deutschlands. Er studierte in Frankfurt a. M. Soziologie bei Adorno. Der undogmatischen Linken zuzurechnen, war er Mitbegründer des Sozialistischen Büros Offenbach am Main. Nach Forschungs- und Universitätspositionen in Berlin und der University of Wisconsin-Madison, USA, wurde er 1995 zum Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln berufen, wo er 2014 auch emeritiert wurden Deutschland wurde er zuerst bekannt, als er für das Bündnis für Arbeit der Regierung Schröder (eines vormals ebenfalls undogmatischen Linken) das Konzept eines Niedriglohnsektors entwarf, wie er sich dann auch im Vollzug der Agenda 2010 herausbildete. Sein 2013 erschienenes Buch Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus wurde in 17 Sprachen übersetzt. (7/02/2022). r mehr text: klick hier.

Nachtrag vom 25.02.2022: Durch den Überfall Russlands auf die Ukraine und die Drohungen Putins gegenüber Westeuropa in Form von EU und NATO-Mitgliedschaft ist die Botschaft des Buches erheblich beschädigt worden!

Publiziert mit kleineren Anpassungen unter dem Titel "Auf schwankendem historischen Grund", . In: Makroskop. Das Magazin für Wirtschaftspolitik Nr.08/2022. https://makroskop.eu/08-2022/auf-schwankendem-historischen-grund/



HERE ABOUT MY RESEARCH

A Pre-Print: I have just finalized an essay titled "Can the European Union still be saved?" It is written in German that means not accessable for English-only readers. In this essay I refer to Wolfgang Streeck's book (reviewed above!) and come to a completely different quintessence. The EU is a system combined of traditional and neoliberal elements, and of course, the neoliberal elements can be retrieved, however, at cost of a change in the EU treaties. I start the essay with an exposure of what means 'neoliberal', followed by the identification, which components of the EU are neoliberal, and what to do to save the Union. The essay can be downloaded here: https://www.researchgate.net/publication/359897543_IST_DIE_EUROPAISCHE_UNION_NOCH_ZU_RETTEN_Ein_Essay

DOI: 10.13140/RG.2.2.27384.32007


Just published: Keynes vs. Kalecki: Risk and uncertainty in their theories of the rate of interest

Review of Keynesian Economics (10), Issue 1, 46-62. Download info: https://mail.one.com/h.gabrisch@wile-institute.eu/INBOX/1/, US$ 35. - The article is a shortened and revised version of my 2021 wiiw working paper No. 192 . Download: https://www.wiiw.ac.at/


This study attempts to identify uncertainty in the long-term rate of interest based on the controversial interest rate theories of Keynes and Kalecki. While Keynes stated that the future of the rate of interest is uncertain because it is numerically incalculable, Kalecki was convinced that it could be predicted. The theories are empirically tested using GARCH-in-mean (MGARCH) models without and with restrictions assigned to six globally leading financial markets. The obtained results support rather Keynes’s case – the long-term rate of interest is a nonergodic financial phenomenon. Analyses of the relation between the interest rate and macroeconomic variables without interest uncertainty are thus seriously incomplete.


Published 2021: Die prekäre alte Normalität der EU und die Notwendigkeit zur Reform (in German language)

Wirtschaftsdienst - Jahrg. 101 (2021), Heft 10, S. 814-820.

Die EU befindet sich seit 2008 im Krisenmodus. Die Sehnsucht nach der alten Normalität ist das große politische Ziel, aber eine Rückkehr zum Status quo ante wäre nicht wirklich wünschenswert. Leider besitzt die europäische Politik kein Konzept für die Zukunft der Union nach der Covid-Pandemie. Das könnte sich als existenzielles Problem für die Union in ihrer derzeitigen Gestalt erweisen, Der Artikel analysiert den inneren Zusammenhang der verschiedenen Krisen seit 2008, die Felder für eine Reform der Architektur der Union in den zentralen Feldern Fiskal- und Geldpolitik, warnt vor weiteren Krisen und vor einer Marginalisierung der Union im globalen Maßstab.

Download info: https://www.wirtschaftsdienst.eu/pdf-download/jahr/2021/heft/10/beitrag/die-prekaere-alte-normalitaet-der-eu-und-die-notwendigkeit-zur-reform.html - free access.



Published 2021: "Elements, origins and future of Great Transformations: Eastern Europe and global capitalism": Economic and Labour Relations Review (ELRR), https://doi.org/10.1177%2F1035304620911123. The article is available as 'Online First'.

https://journals.sagepub.com/eprint/XCJUQKR7MAWIDHDJTNAD/full

The article is fully accessible to all users at libraries and institutions that have purchased a license.

This essay analyses the relationship of two ‘Great Transformations’: the first from socialism to capitalism, more specifically in Eastern Europe in the 1990s, and the second from regulated to unregulated capitalism in the global economy since the 1980s, with respect to their common origins, elements and social results. Applying Karl Polanyi’s double-movement concept, it is concluded that these two, in essence neoliberal, transformations have led to societies being deeply divided economically, socially and culturally. Moreover, the self-protection of transformation losers is generating adverse political outcomes on a global scale. For both reasons, the outcomes of neoliberal transformations are jeopardising also the viability of the European Union, which was initially built on the basis of a regulated capitalism. The future of the global economy and also of the European Union depends on how the conflicts between the deepening of unregulated globalisation, national sovereignty and democratic politics can be solved.

Published 2021: The long-run properties of the Kaldor-Verdoorn law: a bounds test approach to a panel of Central and East European (CEE) countries. Empirica, (), 1-21. DOI: 10.1007/s10663-019-09467-0.The article is available as 'Online First'.

http://link.springer.com/article/10.1007/s10663-019-09467-0.

It is fully accessible to all users at libraries and institutions that have purchased a SpringerLink license. An expanded version can be find as .Narodowy Bank Polski, NBP Working Paper No. 318. Download: http://www.nbp.pl/publikacje/materialy_i_studia/318_en.pdf

This study attempts to identify the short- and long-run components of the Kaldor-Verdoorn (KV) law. The law claims that demand dynamics drive productivity dynamics. The claim is tested with a panel of ten Central and Eastern-European countries, where productivity and demand growth have been slowing since 2004/2006 and where fears of an end of convergent growth are spreading. Meanwhile, the gradual slowing of output and productivity growth applies not only to the region considered, but it is also a global phenomenon that is occurring despite remarkable technical progress and that is referred to as the productivity puzzle. However, this puzzle would be solved in light of the KV law. To test for its long-term properties, panel cointegration models with autoregressive distributed lags (ARDL) are applied. Our results confirm the law for the region; slower productivity growth is not due to ‘adverse technological progress’ but to weakening external and domestic demand, which might block the implementation of product and process innovations. A longer and slightly different version can be obtained as NBP Working Paper No. 318 (see below).


See also: From the socialist command to a capitalist market economy – the case for an active state. In: European Journal of Economics and Economic Policy - Intervention. Special issue on the Economics of Kazimierzmierz Łaski (1921 - 2015), volume 16, issue 3.

Kazimierz Łaski belonged to the group of economists who particularly clearly and convincingly criticized the application of neoliberal doctrines to the transition of socialist countries into market economies. His analysis of the transition agendas was deeply rooted in the Kaleckian tradition of reasoning and brought him much respect but also fierce opposition in the international arena. In answering the why and how of his work, this article will summarize his contributions to the economics and politics of transition.


My current research projects include

  • Actual problems of European integration, chiefly: reforms of the governance system ('democratisation')

  • The role of the intererest rate in Keynesian and Kaleckian investment functions

  • Finance, growth and competitiveness of Central- and East European countries

I am a registered author of Repec - http://econpapers.repec.org/ and in Research Gate - http://www.researchgate.net/profile/Hubert_Gabrisch/info?editInstDialog=true