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Leo Trotzki 19350515 Tagebucheintrag

Leo Trotzki: Tagebucheintrag

[Nach Tagebuch in Exil. Köln-Berlin 1958, S. 154-156]

15. Mai

Ganz offensichtlich brüstet sich die Sûreté mit ihrer genauen Kenntnis meiner Lebensverhältnisse. Einer unserer Freunde, der als ständiger Vermittler zwischen mir und den Behörden wirkt, hat mir folgenden Auszug aus seiner Unterhaltung mit dem Generalsekretär der Sûreté übersandt.

»Auszugsweise Wiedergabe eines Dialogs.

C. Glauben Sie nicht, dass T.'s Wunsch umzuziehen von Schwierigkeiten mit seinem Hausherrn herrührt?

H. Schwierigkeiten? Vermuten Sie, dass er da Schwierigkeiten hat?

C. Keine Frage! Na, man kann sich ja denken, dass mit dem alten Knaben wahrscheinlich nicht immer auszukommen ist; nur mit uns will es absolut nie klappen! (schmunzelt …)

H. Die Bezeichnung »Schwierigkeiten« scheint mir doch wohl übertrieben; zugegeben, es kam mir so vor, als gäbe es einige kleine Missverständnisse, aber von Schwierigkeiten kann wohl nicht die Rede sein…

Ich glaube, Ihre »Gewährsmänner« haben die Sache aufgebauscht, um mit einem guten »Bericht« aufwarten zu können.

C. Lassen Sie sich nur nichts vormachen; nebenbei gesagt, es war ein Freund, der mir diese Mitteilung machte und durchaus nicht in schlechter Absicht, denn es liegt ihm fern, Herrn Trotzki Unannehmlichkeiten zu bereiten; ganz im Gegenteil, er war sogar recht verärgert über die Wirkung…

H. Ich meine, man hat Sie zum Narren gehalten –,

C. Das glaube ich ganz und gar nicht; es wäre uns jedenfalls lieber, wenn es nicht so wäre, da es uns gerade genug zu schaffen macht, wenn sein Hauswirt ihn veranlasst auszuziehen, und wir haben kein Interesse daran, die ganze Sache noch einmal aufzurollen.

H. Was ich Ihnen noch sagen wollte, ich habe einige Erkundigungen über jene Reise eingezogen, von der Sie neulich sprachen, die Reise seines Sohnes im Osten. Der Betreffende hat nachweislich gar keine Reise gemacht! Ihre Leute müssen ihn mit einem Freund von T. oder jemand anderem verwechselt haben.

C. Das glaube ich nicht; unsere Informationen sind ausgezeichnet.

H. Die Polizei hält ihre Informationen immer für ausgezeichnet, aber ihre Informationen sind allzu häufig »gefärbt«, als dass sie zu dieser Behauptung berechtigt wäre. Der junge Mann präpariert sich für die Erlangung dreier Zertifikate an der Sorbonne etc. etc…

C. Das ist mir durchaus bekannt, und außerdem macht es auch keinen Unterschied, ob er es war, der die Reise gemacht hat. (Zuckt die Achseln und schmunzelt.)

H. Das verstehe ich nicht!

C. Wir besitzen Informationen über seine politische Tätigkeit; es hat wirklich den Anschein, als habe er einige Monate nur gearbeitet und sich nicht vom Fleck bewegt – das ist auch besser, es ist genau…

Anschließend uninteressante Bemerkungen über die Polizei – ihren Spitzeldienst – und die Feststellung, dass es für die russische Polizei einfach sei, da jeder in dem Land den Hang zur Bespitzelung und zur Selbstanklage habe… usw. (Gemeinplätze). Sodann wird mit Zuversicht vom Ergebnis der Nationalwahlen angesichts der deutschen Gefahr gesprochen – die Deutschen, die wir so gut kennen, dieses nicht anpassungsfähige Volk – alle diese Flüchtlinge, wir bleiben in ihren Augen Feinde; sobald der Ruf an sie ergeht, werden sie wieder zu den Waffen greifen. Wie Sie sehen, ist das Verhältnis ein äußerst herzliches… aber was T. betrifft, so hängt alles vom Minister ab, der sich die Entscheidung in dieser Angelegenheit persönlich vorbehält. (Ich glaube, das stimmt.)«1

1 Anlage: handgeschriebener Brief in französischer Sprache. Die orthographischen Fehler sind übernommen worden.

Extraits d'un dialogue –,

C Ne pensez-vous pas que le désir de se déplacer de T ne provienne pas de ses difficultés avec son logeur?

H Difficultés? Croyez-vous qu'il y ait des difficultés?

C Certainnement; oh le bonhomme ne doit pas être commode voyez-vous; il n'y a pas qu'avec nous que cela ne vas pas! (sourires…)

H Difficultés me semble un bien gros mot, j'ai peut être eu en effet l'impression de petits malentendus mais jamais je n'ai entendu parlé de difficultés! Je pense que vos »informateurs« ont bien grassi les choses pour avoir le mérite d'un beau »rapport.« –,

C Détrompez-vous c'est un ami qui, par hasard, m'a appris la chose et pas du tout en mal, car il ne veut rien de mauvais à T et était, au contraire, très embêté de la situation crée

H Je pense que vous avez été trompé –,

C Je ne pense pas du tout; nous préférions du reste qu'il n'en soit rien car nous serions assez embêtés si son logeur l'obligeant à partir, nous n'avons aucun intérêt à ce que cette histoire recommence!

H Je dois vous dire que j'ai fait une petite enquête sur le voyage, que vous m'avez signalé, de son fils dans l'EstL'interressê m'a démontré qu'il n'avait pas du tout voyagé!Vos agents ont du le cofondre avec un quelconque ami de T.

C Je ne crois pas; nos informations sont excellentes.

H La police croit toujours ses informations excellentes mais elle reçoit trop souvent des informations inter-ressés pour avoir le droit les déclarer excellentes. Le jeune homme prépare 3 certificats à la Sorbonne etc etc etc

C Je le sais bien et puis si n'est pas lui qui a fait le voyage, cela revient peut-être au même: (gestes et sourires )

H Je ne comprends pas!

C Nous avons nos renseignements sur son activité politique; depuis quelques mois évidemment, il travaille et reste tranquille cela va mieuxc'est exact………

Puis discussion sans intérêt sur la police ses informations avec une affirmation que la police russe a la tâche facile parce que dans ce pays tout le monde a la manie de la délation et de l'auto-accusationetc (lieux communs) Puis confiance dans l'issue des élections nationales devant le péril allemandLes allemands ces gens inassimilables que nous connaissons bienTous ces refuges nous restons des ennemis pour eux; au premier appel ils iront reprendre leur fusil. Comme vous le voyez les relations tout cordiales. Mais en ce qui concerne T tout est de la dépendance du ministre qui règle lui même »cette question.« – (Je crois que cela est vrai)

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