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Leo Trotzki 19171029 Reden in der Sitzung des Petrograder Sowjets über das Militärische Revolutionskomitee

Leo Trotzki: Reden in der Sitzung des Petrograder Sowjets

über das Militärische Revolutionskomitee

(16. Oktober)

[„Rabotschij Putj" Nr. 39, 18./31. Oktober 1917. Eigene Übersetzung nach Л. Троцкий. Сочинения. Том 3, часть 2. Москва-Ленинград, 1925]

I

Genossen! Wir waren noch nie so weit von Brojdo1 und seiner Partei entfernt, und die menschewistischen Taktiken waren nie katastrophaler als jetzt.

Trotzki zitiert Rodsjankos Aussage2 gegenüber einem Mitarbeiter der Zeitung „Utro Rossii“, dass die Übergabe Petrograds seiner Meinung nach seine positiven Aspekte hätte. In Petrograd wie in Riga würden die Deutschen „Ordnung schaffen", die Sowjets auflösen, die baltische Flotte ausrotten und die russische Revolution an der Wurzel ersticken.

Natürlich werden sie das im Vorparlament nicht sagen.

Genossen! Wir haben rechtzeitig Kornilow vorausgesehen und protestierten daher gegen den Abzug der Truppen aus Petrograd. Brojdo und seine Genossen bereiteten sich eilig darauf vor, Kerenskis Befehl auszuführen, und einen Tag später mussten sie sich an die Kronstädter, die sie zuvor als Konterrevolutionäre gebrandmarkt hatten, zur Bewachung des Winterpalastes wenden.

Dann schweigen sie zum 18. Juni, der, wie wir vorhergesagt haben, zu einer schrecklichen Katastrophe wurde, die den Boden für Unruhen vom 3.-5. Juli bereitete.

Genossen! Uns wird gesagt, dass wir ein Hauptquartier für die Machteroberung vorbereiten. Wir machen keine Geheimnisse daraus, eine Anzahl von Vertretern der Front sprach hier und alle erklärten, dass die Front, wenn es nicht bald einen Waffenstillstand geben würde, sich ins Hinterland werfen würde.

Aber wie sind die Aussichten für die Menschewiki?

Die gesamte alliierte Presse verspottete Skobelew, die Frage der Konferenz wurde aufgehoben, und dieser letzte Strohhalm, den sie der Armee warfen, riss.

Wir schicken unsere Delegation an die Front, damit die Soldaten uns verstehen. Wir werden ihnen sagen, dass wir keine Demagogen sind, sondern ihre wahren Freunde.

Die Pogrombewegung ist die Bewegung verzweifelter Massen und darüber hinaus ihres unverantwortlichsten Teils.

Der ungelernte Arbeiter, der aus dem Dorf kommt und in den „Schwänzen" [Einkaufsschlangen] untätig ist, wird von Hass auf diejenigen erfasst, die besser angezogen und reicher sind als er, denn der reiche Mann bekommt alle Produkte ohne Lebensmittelkarten, indem er das Doppelte zahlt. Sein Hass wird dann auf diejenigen übertragen, die gebildeter sind als er; die anders glauben als er, etc. Wir verstehen diese Arbeiter und behandeln sie anders als der bürgerliche Bastard, der sie erschießen will.

Wenn die revolutionäre Macht alle Marodeure bestrafte, würde dies die Möglichkeit aller Pogrome erheblich verringern.

Hier trat das Allrussische Exekutivkomitee der Bauerndeputierten auf, das sich gegen den Sowjetkongress aussprach. Und wir wissen, dass dieses Komitee durch seine Politik den Boden für Bauernaufstände und Agrarunruhen bereitet hat.

Wenn dieses Komitee gegen uns ist, dann ist es gegen jene Bauern, die seit 7 Monate getäuscht wurden. Und wenn wir die Wahl haben: für wen sind wir, für Awksentjew oder für die ärmsten Bauern, dann müssen wir sagen, dass wir bei den Bauern sind, gegen ihr Komitee.

Nun stellt man uns die kategorische Forderung nach dem Abzug der Truppen aus Petrograd, und wir müssen ja oder nein sagen.

Es ist notwendig, den Soldaten zu sagen, ob sie abziehen oder dem Abzugsbefehl misstrauen sollen. Brojdo hat diese Frage nicht beantwortet. Und wir sagen, dass wir wissen müssen, wohin wir gehen. Wenn man stirbt, dann stirbt man wie ein bewusster Bürger, der weiß, wo und für was er sterben wird.

II

In der zweiten Rede bemerkte Trotzki, als er den Frontvertretern antwortete, dass die ganze Armee von einer Einheit des Gefühls erfasst sei, sie mit einer Sprache spreche und den unmittelbaren Frieden fordere.

Das stimmt völlig mit unserer Stimmung und unseren Handlungen überein. Es ist nicht wahr, wenn uns gesagt wird, dass wir das Proletariat isolieren. An diesem Beispiel sehen wir deutlich, dass Millionen unserer Schützengrabenbrüder unsere Forderungen voll und ganz teilen.

Und wir werden zusammen leben, kämpfen und, wenn es notwendig ist, sterben, um unsere Bedürfnisse im Leben zu erfüllen.

1 In seiner Rede widersprach Brojdo der Errichtung des Revolutionskomitees. Laut Brojdo wird die bevorstehende Erhebung das Begräbnis der Revolution sein. Mit einem feierlichen Blick erklärte Brojdo, dass das geplante MRK nichts weiter als die Organisation eines Revolutionären Stabes sei und da die Menschewiki dagegen seien, würden sie ihm nicht beitreten.

2 „Petrograd", schrieb Rodsjanko, „ist in Gefahr, ich glaube, Gott ist mit ihm, mit Petrograd. Sie fürchten, dass zentrale Institutionen, d.h. Räte, in Petersburg sterben werden usw. Darauf erwidere ich, dass ich sehr glücklich bin, wenn all diese Institutionen zugrunde gehen, weil sie außer dem Bösen Russland nichts gebracht haben.“

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