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Meuterei in der französischen Schwarzmeerflotte

Die Intervention der Alliierten im Süden Russlands setzte Ende 1918 ein, als die deutschen und österreichischen Truppen, die den Süden besetzt gehalten hatten, nach der Revolution in Deutschland zurückgezogen wurden. Am 28. November lief ein aus 22 Schiffen bestehendes Geschwader der Alliierten im Hafen von Sewastopol ein und nahm dort und dann auch in anderen Häfen am Schwarzen Meer Truppenlandungen vor. Die Hauptbasis der Intervention der Alliierten im Süden war Odessa. Die vorherrschende, führende Rolle bei der südlichen Intervention lag in den Händen der Heeresleitung des französischen Imperialismus. Die Gesamtzahl der Okkupationstruppen in Odessa und den angrenzenden Bezirken sowie in der Krim belief sich auf 60.000–65.000 Mann, von denen die Mehrzahl Franzosen und Griechen waren. Es gab auch farbige Truppen (Senegalneger und Schützenregimenter aus Algier) sowie polnische Legionäre, Rumänen, Serben usw. unter ihnen. Im Februar 1919, gleich nach den ersten Zusammenstößen mit den südwärts vordringenden Truppenteilen der Roten Armee, zogen sich die Truppen der Verbündeten in die Hafenstädte, ihre Hauptstützpunkte, zurück und schränkten somit die Okkupationszone ein. Unter den Truppen der Alliierten machte sich schon seit Beginn der Intervention eine Gärung bemerkbar. Soldaten und Matrosen erklärten, dass sie nicht gegen Sowjetrussland kämpfen wollten; sie waren unzufrieden damit, dass sie nach dem Friedensschluss mit Deutschland nicht nach Hause befördert und demobilisiert wurden. Diese Unzufriedenheit nahm noch zu, als die Matrosen und Soldaten der Okkupationstruppen mit Arbeitern, mit Mitgliedern der bolschewistischen Parteiorganisation in Fühlung kamen, die unter den Truppen der Alliierten (insbesondere unter den Franzosen) eine überaus erfolgreiche Propaganda betrieben. Das illegale Odessaer Gebietskomitee der Kommunistischen Partei gab sogar unter dem Titel „Kommunist“ ein spezielles Organ in russischer und französischer Sprache heraus. Bereits im Januar reifte unter den Matrosen mehrerer Schiffe, die am revolutionärsten gesinnt waren (da sie viele Arbeiter unter sich hatten), der Entschluss heran, den Bolschewiki durch einen Aufstand zu Hilfe zu kommen. Der illegalen bolschewistischen Organisation gelang es sogar, auf den Schiffen Komitees zur Durchführung des Aufstandes zu organisieren. Anfang März wurde der allgemeine Aufstand durch zahlreiche Verhaftungen vereitelt, doch machte die Zersetzung und Revolutionierung der Truppen der Alliierten rasche Fortschritte.

Spontane Unruhen brachen aus. Im März weigerten sich Teile des in Cherson stationierten 176. Regiments, in die Schlacht zu ziehen. Anfang April weigerten sich zwei Batterien des 15. Artillerieregiments und das 2. Sappeurregiment, das seinen Standort in Odessa hatte, an die Front auszurücken. Es kam zu Meutereien im 58. Regiment usw. Am 5. April veranstalteten jene Truppenteile, die den Gehorsam verweigert hatten und schleunigst aus Odessa evakuiert werden sollten, unter Absingung der „Internationale“' und Vorantragung von roten Fahnen, eine eindrucksvolle Demonstration vor dem Gebäude des neu organisierten Rates der Arbeiterdeputierten. Besonders stark war die revolutionäre Bewegung in der Flotte. Am 18. April wurde durch Verrat auf dem Torpedoboot „Protze“ in Galaz eine Gruppe von Matrosen mit dem Genossen Marty an der Spitze verhaftet, die mit Unterstützung der rumänischen Bolschewiki auf dem Torpedoboot einen Aufstand vorbereitet hatten. Am 20. März kam es zu heftigen Matrosenunruhen auf den Großkampfschiffen des Sewastopoler Geschwaders „France“, „Jean Marat“, „Mirabeau“, „Justice“. Die Matrosen hissten auf den Schiffen rote Fahnen und forderten die Einstellung des Krieges gegen Sowjetrussland sowie ihren Rücktransport in die Heimat. Die Besatzungen dieser Schiffe veranstalteten gemeinsam mit den Arbeitern von Sewastopol eine Demonstration. Die Demonstranten wurden von den Truppen der Alliierten beschossen. Am 27. April meuterte die Besatzung des Kriegsschiffes „Waldeck-Rousseau“ in der Nähe von Odessa. Die Unruhen griffen auch auf andere Schiffe über. Durch all das sah sich das französische Oberkommando gezwungen, alle seine Truppen und Schiffe aus dem Süden Russlands und aus dem Schwarzmeergebiet zurückzuziehen. [Lenin, Ausgewählte Werke, Band 9, Anm. 76]

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