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Kongressbericht IFOMPT – Kongress: HWS

“Rendez-vous of Hands and Minds”

 

Quebec, Kanada

30.09.2012 – 5.10.2012

 

Ein weiterer Schwerpunkt dieses Weltkongresses war, wie meistens das Thema „Halswirbelsäule“ mit vielfältigsten Problemstellungen und Lösungen.

Die Thematiken reichten von der Auseinandersetzung mit Techniken wie der Manipulation bis hin zu intensiven Diskussionen über Stabilität oder zu Verletzungsmustern, wie z.b. des Schleudertraumas.

Ausführlich wurde über die Möglichkeiten der Klassifikation von Nackenschmerzen diskutiert. In einem „focussed symposium“ debattierten Größen, wie Wayne Hing, Jan Pool, Peter O´Sullivan und Anita Gross über die Sinnhaftigkeit bzw. Effektivität von Klassifikationen.

Das Ergebnis überrascht etwas, da die Experten der Meinung sind, dass es zurzeit noch keine sinnvolle Klassifikation, die alle Bereiche abdecken kann, gibt.

Sehr wohl gibt es aber Einteilungen, die sich auf die Prognose z.B. für Whiplash – Patienten beziehen. Diese Klassifikation bezieht sich auf Risikofaktoren mit normalen bis hohem Risiko.[i]

 

Interessant waren die Ausführungen zum Thema zervikogener Schwindel und zervikogener Kopfschmerz. Einige Referenten, darunter auch Julia Treleaven wiesen deutlich auf die klar dokumentieren Zusammenhänge zwischen den Strukturen der oberen HWS (= Innervationsgebiet des Nucleus trigeminocervikalis), dem optischen System und dem Gleichgewichtssystem hin.

Dies bedeutet, dass Physiotherapeuten in der Lage sind, durch Behandlung von Störungen der HWS in allen drei Systemen Veränderungen hervorzurufen.

Temporomandibuläre und visuelle Beeinträchtigungen wurden zusätzlich als häufige Symptome bei zervikogenen Kopfschmerzen beschrieben.
Insgesamt beschreiben die Referenten, dass die Kopfschmerzklassifikation der IHS (International Headache Society) nur bedingt brauchbar ist, um die zervikogene Komponente bei Kopfschmerzen zu erfassen. Die diagnostischen Kriterien sind dazu methodologisch zu ungenau.

Innerhalb der verschiedenen Kopfschmerzgruppen sollten aus diesem Grund auch beitragende Faktoren, wie das muskuloskelettale System untersucht und bei Störungen behandelt werden.

 

Zur Untersuchung der koordinativen Fähigkeiten wurden von einigen Autoren die „Head and Neck Reposition Accuracy“ mit unterschiedlichen Systemen beurteilt. Dabei hat man gesehen, dass bei Patienten mit zervikalen Störungen diese Fähigkeit deutlich schlechter war, als bei gesunden Probanden.

 

Zusammengefasst war dieser Kongress eine sehr lehrreiche Veranstaltung, die Lust darauf gemacht hat, sich auch selbst mit aktueller Forschung zu beschäftigen, sei es sich manches Thema literarisch näher anzusehen oder auch selbst ein Projekt zu überlegen.


Rudolf Raschhofer, MSc


[i] Walton et al Risk factors for persistent problems following whiplash injury: results of a systematic review and meta-analysis. J Orthop Sports Phys Ther. 2009 May;39(5):334-50.

 

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