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IFOMPT-Québec: Tennisellbogen

TENNIS ELBOW: THE EVIDENCE, THE SCIENCE AND THE CLINICAL EXPERIENCE – FOCUSED SYMPOSIUM, WORKSHOP

 

Ein Schwerpunkt des diesjährigen IFOMPT-Kongresses in Quebec war das Thema Tennisellbogen, dem neben einem allgemeinen Tendopathie Symposium ein spezielles Focused Symposium und ein Workshop gewidmet waren. 

Einen interessanten und für die tägliche Praxis leicht verwertbaren Ansatz zur Einteilung von Sehnenerkrankungen brachte Jill Cook, der sein „Cook-Purdam continuum model of tendon pathology“ vorstellte. (1)

 Vereinfacht gesagt wird zwischen reaktiven und degenerativen Sehnenerkrankungen unterschieden. Erstere betreffen eher jüngere Patienten, die nach einer Phase der Inaktivität wieder ihre normalen Belastungen durchführen und dadurch Sehnenbeschwerden bekommen. Wichtig bei der Behandlung dieser Patienten ist es, die normale Belastbarkeit durch schmerzfreie, reduzierte Belastung in der Therapie wieder herzustellen, daher sind bei diesen Patienten exzentrische Übungen kontraindiziert.

 

Auch andere Vortragende betonten, dass die Belastung mit der maximal möglichen schmerzfreien Griffstärke das entscheidende Kriterium ist, um den Patienten wieder an die normale Belastbarkeit heranzuführen.

 

Ganz allgemein war festzustellen, dass die Zeit des exzentrischen Trainings als „Wundermittel“ gegen Tendopathien sich schön langsam dem Ende zuneigt. So wurde diese Art des Trainings zwar als Möglichkeit für die Behandlung degenerativer Tennisellbogen gesehen, der Ratschlag war aber „…don´t focus too much on excentric!“

 

Dr. Leanne Bisset und Prof. Bill Vicenzino brachten einen Vergleich der Wirksamkeit von Physiotherapie, Kortikosteroid-Injektionen und Nichtbehandlung bei Tennisellbogenpatienten.  (2)

Das beste Langzeitergebnis – gemessen wurde die schmerzfreie Griffstärke, Druckschmerz und Rezidivrate - brachte erfreulicherweise die Physiotherapie, gefolgt von der nicht behandelten „wait and see“ Gruppe. Die Infiltrationen konnten zwar die beste Kurzzeitwirkung erzielen, führten in der Folge aber zu einer tramatischen Verschlechterung ("shorttime gain, longtime pain"), so dass auch die nicht behandelten Patienten nach 12 Monaten wesentlich bessere Ergebnisse aufzuweisen hatten (Rezitivrate nach 12 Monaten: PT:8%, Wait&See: 9% Infiltration: 72%)!

Leider zeigte eine andere Studie, die grundsätzlich zu demselben Ergebnis kam, dass sich bei der zusätzlich getesteten Kombination Infiltration+ Physiotherapie fast das gleich schlechte Ergebnis wie bei Infiltration alleine einstellte. Das bedeutet, dass die Physiotherapie, die auch bei dieser Studie als alleinige Therapie gut abschnitt, den negativen Effekt der Kortikosteroide nicht wett machen kann.

Das stellt für uns Physiotherapeuten, die ja grundsätzlich keinen Einfluss auf die Frage Kortikosteroidinjektion ja oder nein haben, ein großes Problem dar.

 

Interessant waren auch die Untersuchungen zum Thema Schmerzzentralisierung bei Tennisellbogen-Patienten. Es konnte nachgewiesen werden, dass auch die nicht betroffene Seite deutlich schmerzempfindlicher als normal ist. Außerdem konnte bei einer Studie durch eine Schmerz-Strom Applikation an der Ferse der typische Ellbogenschmerz reproduziert werden. Es sollte sich jeder Behandler bewusst sein, dass es nicht nur lokal um den Ellbogen geht.

 

Der kurzweilige Workshop brachte recht gut brauchbare Behandlungsansätze für die Praxis. Gut umzusetzen – auch als Selbstübung – ist der Ansatz, ein laterales Gleiten mit einem – auch für den Wiederbefund - gemessenen schmerzfreien Griff und aktiver Bewegung zu verbinden.

Ein Video zur passenden Tapetechnik kann hier betrachtet werden: http://youtu.be/fNbmB51nVWI

 

Heimo Just, MSc


1. J L Cook & C R Purdam (2009): Is tendon pathology a continuum? A pathology model to explain the clinical presentation of load-induced tendinopathy. Br. J. Sports Med.;43;409-416

2. L Bisset, E Beller, G Jull, P Brooks, R Darnell, B Vicenzino (2006): Mobilisation with movement and exercise, corticosteroid injection, or wait and see for tennis elbow: randomised trial. BMJ, doi:10.1136/bmj.38961.584653.AE

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