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IFOMPT Conference Glasgow 4.-8- Juli 2016: Kongressbericht Teil 2

Kongressbericht IFOMPT Kongress Glasgow 4.- 8.Juli 2016, Rudolf Raschhofer, MSc 

 

 „Expanding horizons in manual therapy“  Dr. Annina Schmid

Dr. Schmid beschäftigt sich in ihrem Referat mit dem Thema „Expanding  Our  Understanding  of  Entrapment  Neuropathies  and Neural Pathology“
Das Management dieser Patientengruppe bleibt eine schwierige Herausforderung, da die Symptome häufig mit einer hartnäckigen Therapieresistenz auf medikamentöse oder mechanische Therapieansätze reagieren.
Ihr Modell wird durch Demyelinisierung, Verlust von Nervenfasern, Hyperalgesie charakterisiert und soll ein Denkmodell für den Pathomechanismus von Kompressionsneuropathien (z.B. Karpaltunnelsyndrome) bieten.

Schmid beschreibt, dass schon eine geringe Nervenkompression eine lokale und auch eine vom Ursprungsort entfernte Entzündungreaktion im Nervensystem auslösen kann. Dies ist durch Auftreten von Makrophagen, T-Lymphozyten und durch die Proliferation von Gliazellen um die Nervenzellen im dorsalen Wurzelganglion erklärbar.

Die neurologische Standard-Untersuchungsverfahren zur Diagnosesicherung sind bei Kompressionsneuropathien  Berührungempfindlichkeit, Reflex- und Muskelkraftprüfung. In neuen Untersuchungen bei Kompressionsneuropathien kann man sehen, dass bei Patienten hauptsächlich kleine Nervenfasern früh betroffen sind. Dabei konnte auch gezeigt werden, dass eine immunstimulierte neurogene Entzündung (sowohl lokal, als auch entfernt) eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Symptomen führt. Interventionen, die die Entzündung reduzieren können, wie z.B. Cortison – Injektionen, aber auch therapeutische Interventionen, wie neurale Bewegung bzw Bewegung der Sehnen können ein intraneurales Ödem verringern und spielen in der Behandlung von CTS eine große Rolle.  Zusätzlich sollte man den Einfluss von zentralen Veränderungen nicht unterschätzen, die großteils ein hands-off Vorgehen erfordern können, aber noch genauerer Untersuchungen bedürfen.

 

 

 

Literatur:

Schmid AB1, Bland JD2, Bhat MA3, Bennett DL4. The relationship of nerve fibre pathology to sensory function in entrapment neuropathy.  Brain. 2014 Dec;137(Pt 12):3186-99.

Schmid AB1 Pathophysiology of the Carpal Tunnel Syndrome. Challenging Common Beliefs Physioscience 2015 11: 2-10

 

Cervical spine session:

Suzanne Snodgrass, Universität Newcastle, Australien hielt ein Referat zum Thema „Untersuchung der Biochemie des Gehirns bei Patienten mit chronisch idiopathischem Nackenschmerzen und gesunden Personen: Evidenz für zentrale Veränderungen

Die Wissenschaftlerin konnte in einer kleinen Studie zeigen, dass bei Patienten mit chronischen Nackenschmerzen Veränderungen der Neurotransmission (Glutamat und total creatine) im motorischen Cortex mit höheren Schmerzlevels gekoppelt waren. Ihre Ergebnisse weisen darauf hin, dass metabolische Veränderung im Cortex die Schmerzintensität bei chronischen Nackenschmerzen beeinflussen können. Da die Schmerzintensität auch mit motorischer Kontrolle in Zusammenhang steht, wird auch diese direkt durch diese zentralen Veränderungen beeinflusst. Dies bedeutet, dass therapeutische Interventionen bei dieser Patientengruppe auch auf zentrale Bewegungskontrolle und Schmerz abzielen sollten.

Literatur:

Ingram LA1, Snodgrass SJ, Rivett DA Comparison of cervical spine stiffness in individuals with chronic nonspecific neck pain and asymptomatic individuals. J Orthop Sports Phys Ther. 2015 Mar;45(3):162-

 

 

Lucy Thomas, Universität Newcastle, Australien und ihre Kollegen beschäftigten sich mit Risikofaktoren für eine Dissektion der craniozervikalen Gefässe. Mit Hilfe einer cross – sectionalen Fall  -Kontroll Studie identifizierten sie „geringfügige“ Traumen von Kopf und Nacken und transiente neurologische Symptome(Sehstörung, Gleichgewichtsstörungen, Sprachstörungen etc) als wichtige Symptome. Wichtig für Physiotherapeuten, die Manuelle Therapie einsetzen, ist, dass bei Patienten, die über erhebliche Kopfschmerzen und Nackenschmerzen klagen, in der Anamnese auf diese Symptome Bezug genommen wird.

Literatur:

Thomas LC1. Cervical arterial dissection: An overview and implications for manipulative therapy practice. Man Ther. 2016 Feb;21:2-9.

 

 

Julia Treleaven und Kolleginnen von der Universität Brisbane, Australien stellten sich die Frage ob subjektive funktionale Einschränkungen des Nackens bei Patienten mit Nackenschmerzen mit einer objektiven Messung korrelieren.

Dabei vergleichen die Forscherinnen die Selbsteinschätzung der Probanden betreffend ihrer Einschränkung mit einem „Virtual reality Messsystem“. Ihre Ergebnisse lassen auf eine schlechte Korrelation zwischen der subjektiv gefühlten Einschränkung und dem tatsächlichen Bewegungsausmaß, aber eine gute Korrelation zu Angst vor Bewegung und Schmerz schließen.

Literatur:

Sarig Bahat H1, Sprecher E2, Sela I3, Treleaven J4. Neck motion kinematics: an inter-tester reliability study using an interactive neck VR assessment in asymptomatic individuals Eur Spine J. 2016 Jul;25(7):2139-48.

 

 

Dewitte und Kollegen gingen mit Hilfe einer Delphi Umfrage bei Experten der Frage nach, welche Assessment Kriterien bei Klinischen Mustern von Nackenschmerzen maßgeblich sind.  Dabei wurden die klinischen Muster „artikuläres Problem“; „myofasciales Problem“; „Neurales Problem“; „zentrales Problem“ bzw „sensomotorisches Kontrollproblem“ in den Focus gestellt. Es wurden 10 Experten zu dieser Umfrage eingeladen und das Ziel war herauszufinden, ob die Kliniker gleiche Clinical reasoning Strategien haben bzw. ähnliche klinische Indikatoren für das dominante Dysfunktionsmuster beschreiben. Der Referent beschreibt eine relativ gute Übereinstimmung und die Identifikation von vielen Kriterien, die allerdings noch einer klinischen Überprüfung bedürfen.

Literatur:

Dewitte V1, Beernaert A2, Vanthillo B3, Barbe T4, Danneels L5, Cagnie B6 Articular dysfunction patterns in patients with mechanical neck pain: a clinical algorithm to guide specific mobilization and manipulation techniques. Man Ther. 2014 Feb;19(1):2-9.

Dewitte V1, Cagnie B2, Barbe T1, Beernaert A1, Vanthillo B1, Danneels L1. Articular dysfunction patterns in patients with mechanical low back pain: A clinical algorithm to guide specific mobilization and manipulation techniques. Man Ther. 2015 Jun;20(3):499-502.

 

 

Luomajoki und Kollegen beschäftigten sich mit der Frage welche motorischen Kontrolltests in der LWS und HWS am besten geeignet sind um Patienten von Nicht-Patienten zu unterscheiden. Es gibt validierte Testbatterien, die auch schon publiziert worden sind, aber die Frage, welche Tests am meisten diskriminativ sind, ist noch nicht beantwortet.
In der LWS gibt eine gute diskriminative Validität bei einem positiven Befund von 2 aus 6 (siehe Anhang). In der HWS sind die drei besten Tests: Extension im CTÜ; Rotation der HWS im 4 Füßler; und Kopf Pro- und Retraktion

 

Literatur

Saner J1, Sieben JM2, Kool J3, Luomajoki H3, Bastiaenen CH4, de Bie RA4 A tailored exercise program versus general exercise for a subgroup of patients with low back pain and movement control impairment: Short-term results of a randomised controlled trial. J Bodyw Mov Ther. 2016 Jan;20(1):189-202.

Luomajoki H1, Kool J, de Bruin ED, Airaksinen O. Movement control tests of the low back; evaluation of the difference between patients with low back pain and healthy controls. BMC Musculoskelet Disord. 2008 Dec 24;9:170.

 

 

Geri und Kollegen beschreiben in dem Referat, dass EMG Aktivität des M. masseter während Zusammenbeißen bei Patienten mit Nackenschmerzen verändert ist. In ihrer Studie vergleichen die Wissenschaftler die Masseteraktivität während uni- bzw bilateraler Kieferaktivität bei Nackenschmerz-patienten mit gesunden Probanden. Das Ergebnis ist, nicht wenig überraschend, eine deutlich erhöhte Aktivität und veränderte Aktivitätsverteilung des M. masseter bei Mundschluss.

Literatur:

Testa M, Geri T, Gizzi L, Petzke F, Falla D. Alterations in Masticatory Muscle Activation in People with Persistent Neck Pain Despite the Absence of Orofacial Pain or Temporomandibular Disorders. J Oral Facial Pain Headache. 2015 Fall;29(4):340-8.

 

 

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