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Effekt der tibio-femuralen Traktions-Mobilisation (Case Series)

Rezension zu:

Effekt der tibio-femuralen Traktions-Mobilisation auf die passive Kniebewegungseinschränkung und Schmerz: Case Series

 

S. Maher, D. Creighton, M. Kondratek, J. Krauss, X. Qu (2010): The effect of tibio-femoral traction mobilization on passive knee flexion motion impairment and pain: a case series. Journal of Manual and Manipulative Therapy, VOL. 18, NO. 1: 29-36

 Kniebeschwerden sind eine der häufigsten muskuloskelettalen Erkrankungen, die 30-40% der 65-Jährigen betrifft.  Bisherige Studien zur Wirksamkeit der Manualtherapie am Kniegelenk haben vor allem anterior/posterior und Patella Techniken untersucht, jedoch nicht die von Kaltenborn und Evjenth beschrieben Traktionstechniken.

Ziel dieser Fallstudien war es daher zu untersuchen, welche Auswirkungen eine Traktion des Kniegelenks in aktueller Endstellung mit Grad III auf  die passive Beweglichkeit und den Schmerz  hat.

Dazu wurden 13 Patienten ausgewählt, Einschlusskriterien waren einseitige Bewegungseinschränkungen in der passiven Knieflexion und Schmerzen am Ende der Flexionsbewegung, Ausschlusskriterien waren Kontraindikationen gegen Manualtherapie, wie zum Beispiel akute Gelenksentzündungen, sowie Reffered Pain von proximal und längere Immobilisation  nach Bänderverletzungen.

Die Patienten erhielten 7 Behandlungen mit je 3x2 Minuten Grad III Traktion in BL (30 Sekunden Traktion + 10 Sekunden Pause) in aktueller Flexionsendstellung. Gemessen wurde die passive Beweglichkeit mit Goniometer jeweils am Beginn der Behandlung sowie je nach 2 Minuten Traktion sowie der Schmerz mit der VAS am Beginn, in aktueller Flexionsendstellung vor der ersten und nach der letzten Traktion sowie nach Zurückführen des Beines in Ruhestellung.

Die Ergebnisse zeigten eine statistisch signifikante Steigerung der passiven Beweglichkeit von 93,3° auf 119,2° (p>0,001). Signifikante Veränderungen konnten bei allen Therapieeinheiten festgestellt werden. Auch während der Traktion konnte eine signifikante Verbesserung gemessen werden, außer zwischen Minute 4 und 6. Zwischen dem Ende einer Behandlung und dem Beginn der nächsten Behandlung war zwar ein signifikanter Abfall der Beweglichkeit zu messen, insgesamt verbesserte sich die Beweglichkeit aber stetig.

 Der Schmerz verbesserte sich signifikant während der Sitzungen 2, 3, 4, 5 und 7, keine Veränderung konnte von einer Behandlung zur nächsten festgestellt werden.

Während der Behandlung zeigte sich eine Schmerzzunahme bei der endgradigen Flexion, eine nicht signifikante Abnahme des Schmerzes während der Traktion sowie eine signifikante Abnahme des Schmerzes nach Zurückführen des Knies in Ruheposition.

 

Schlussfolgerung:

Die erfreulichen Ergebnisse dieser Fallstudien sind für unsere Gruppe deswegen besonders interessant, weil sich die Autoren genau an die von Kaltenborn und Evjenth beschriebene Traktionstechnik (Bauchlage, Fixierung des Oberschenkels mit Gurt und Traktion in 90° zur Behandlungsebene mittels Manschette um distalen Unterschenkel) gehalten haben.

Natürlich muss berücksichtig werden, dass es sich hierbei um keine RCT Studie sondern nur um eine Pilot/Fallstudie mit 13 Patienten ohne Kontrollgruppe handelt.

Einige kleine Details fallen auf:
- es kam nach 4 Minuten zu keiner weiteren Verbesserung der Beweglichkeit, hier wäre eine weitere Studie interessant, die die notwendige Behandlungsdauer untersucht.
- im Anschluss an die Behandlung kam es - im Gegensatz zu Studien mit a/p Techniken - zu keinem Schmerzanstieg. Dies deutet darauf hin, dass die Grad III Traktion trotz des starken Zugs eine sehr gelenkschonende Behandlungsform ist.
- die Traktion führte zu einer sofortigen Schmerzlinderung gegenüber der zuvor schmerzhaften aktuellen Ruhestellung.
 

Aufgrund der ermutigenden Ergebnisse ist zu hoffen, dass die Autoren bald eine größere Studie mit Kontrollgruppe zu diesem Thema durchführen.

 

Heimo Just, MSc, PT-OMT

 

 

 

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