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Berufsbedingte Faktoren die zu Überlastungserscheinungen des Handgelenks führen. Eine Umfrage unter Physiotherapeuten/Innen

Hintergrund. Die Arbeit als Physiotherapeut/In verlangt Körpereinsatz und Kraft. Aus diesem Grund besteht für Physiotherapeuten ein erhöhtes Risiko muskuloskelettale Beschwerden zu entwickeln.

Der Gebrauch der Hände während der Arbeit, ist für Physiotherapeuten/Innen essentiell, und es kann in diesen Strukturen häufig zu Überlastungserscheinungen und Beschwerden kommen. 

Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden wie hoch die Prävalenz für  Handgelenksbeschwerden ist und welche Faktoren für ihre Entwicklung beitragen.

Methode. Zur Erhebung der Daten, wurde ein 3- seitiger Fragebogen verwendet. Der Fragebogen wurde an 116 Physiotherapeuten/Innen aus dem Raum Graz, Österreich, und einem kleinen Teil in Deutschland ausgehändigt. Alle 116 ausgefüllten und retournierten Fragebögen wurden zur Auswertung verwendet. Die Fragen bezogen sich zum einen auf allgemeine persönliche (Alter, Geschlecht) und zum anderen auf arbeitsrelevante (Arbeitserfahrung, Einrichtung, Klinischer Bereich, Anwendung von Manueller Therapie und Patiententransfers) Angaben. Im letzten Teil wurde nach diagnostizierten Erkrankungen und Verletzungen am Handgelenk, und nach Vorkommen von Beschwerden in dieser Region und zusätzlichen Informationen diesbezüglich (Dauer, Häufigkeit, Therapie- oder Krankenstand Inanspruchnahme)  gefragt.

Ergebnisse. Beinahe die Hälfte (46%) der befragten Physiotherapeuten/Innen berichtete von Beschwerden im Handgelenk. Die Prävalenz von Beschwerden, bei  Probanden/Innen mit einer Verletzung oder Erkrankung am Handgelenk, lag bei 76,5%.

Durchschnittlich dauerten die Beschwerden 3,5 Jahre. Aufgrund der Beschwerden im Handgelenk gingen 17% schon einmal in Krankenstand und 9% suchten einen Arzt auf.

Ein vermehrtes Auftreten von Handgelenksbeschwerden bei jungen, unerfahrenen, sowie in Ambulatorien tätigen Physiotherapeuten/Innen konnte festgestellt werden.

Weniger häufigeres Auftreten war bei älteren, erfahrenen und im Krankenhaus tätigen Probanden/Innen verzeichnet.

Keine schlüssigen Ergebnisse konnten in Zusammenhang mit der Anwendung von manuellen Techniken oder Patiententransfer gefunden werden.

Diskussion. Im Vergleich zu den bisher durchgeführten Studien, wurde in dieser Untersuchung eine höhere Prävalenz für Handgelenksbeschwerden gefunden. Physiotherapeuten/Innen sind, laut bisherigen Studien, der Meinung, dass die Anwendung von manueller Therapie und Patiententransfer, Einfluss auf die Entwicklung von Handgelenksbeschwerden hat. Diese Aussage konnte allerdings noch nicht bestätigt und nachgewiesen werden.

Weitere Untersuchungen sind notwendig um den Belastungsgrad, bei dieser und weiteren physiotherapeutischen Techniken, auf das Handgelenk zu bestimmen und um weitere Faktoren, die zur Entwicklung von Handgelenksbeschwerden beitragen, ausfindig zu machen.


Zusammenfassung der Bakkalaureatsarbeit vor Daniela Unger, BSc (FH JOANNEMUM, Studiengang Physiotherapie 2009)

Heimo Just, MSc, PT-OMT
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