Key Notes


Gesundheitswesen, wohin?

Hohe Qualität, moderate Kosten, gesicherte Kosteneffizienz: das Gesundheitswesen ist höchst effizient und seinen Preis wert

Die Entwicklung im schweizerischen Gesundheitswesen ist enorm, Innovationen vor allem im Bereich der Krebstherapien sowie seltener Krankheiten (Hepatitis C, Zystische Fibrose), PCSK9-Inhibitoren (FOURIER TRIAL), Entzündugshemmer (CANTONS TRIAL) belegen eine nochmalige Verbesserung der Prävention atherosklerotischer Krankheiten und der chronischen Entzündung als Ursache von Herzschlag und Krebs.  Der Mehrwert für eine reiche Gesellschaft ist messbar, die gesellschaftliche Bedeutung des Gesundheitswesens auch als Arbeitgeberin ist enorm. Grund für diesen Erfolg ist der hohe wissenschaftliche Standard in der Medizin, ein Garant für die Kosteneffizienz der eingesetzten Mittel bei hoher Qualität der Leistungserbringung. Dabei sind die Vorleistungs-Kosten mit rund 12% des BIP im Vergleich etwa zur USA (18% des BIP) weiterhin moderat und in Anbetracht der Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens durchaus adäquat.

Fachfremde Kontrollen, Bonimedizin und Rationierung: heute die Hauptgründe für Ineffizienz und Verteuerung im Gesundheitswesen

Die Overhead Aktivitäten von Krankenversicherern und Behörden sind heute die Hauptfaktoren für die Verteuerung und Destabilisierung der Effizienz im Gesundheitswesen. Folgende Aktivitäten haben sich krebsartig ausgebreitet: 
  • Bundesamt für Gesundheit
    • Die Limitationen wichtiger Medikamente erfolgen rein wegen angeblich zu hohem Preis und sind heute zum grössten offenen Rationierungsinstrument in der Medizin geworden. Kosteneffiziente Therapien werden schwer Kranken Personen vorenthalten. Tendenz: verteuert das Gesundheitswesen
    • Keine Kontrolle über die OKP Kosten. Was genau mit den Gewinnen aus Prämien und aus Managed-Care Verträgen geschieht, ist jenseits der öffentlichen Kontrolle. Tendenz: verteuert das Gesundheitswesen
    • Kontrolle der Wirtschaftlichkeit: diese wird fatalerweise den Versicherern überlassen, welche diese in ihrem Sinne interpretieren und damit die Aerzte melken. Tendenz: verteuert das Gesundheitswesen
  • Krankenversicherer
    • Kontrolle der Wirtschaftlichkeit: diese erfolgt subsidiär mit untauglichen Methoden. Tendenz: verteuert das Gesundheitswesen
    • Kontrolle der Indikationen:  Kostengutsprachen und das Vertrausensärztewesen sind den Beweis einer Verbesserung der Effizienz schuldig. Tendenz: verteuert das Gesundheitswesen
    • Kontrolle der Qualität von Managed Care: Hausarztmodelle von Praxen und Netzwerken unterstehen einem Globalbudget mit Bonus-/ Malussystemen (sowie einer Grossrisikoversicherung). Die dadurch geschaffenen Anreize verzögern medizinische Abklärungen. Eine Outcome-Forschung dazu ist überfällig. Verpasste Diagnosen erhöhen den Kostendruck.Tendenz: verteuert das Gesundheitswesen
  • Qualitätskontrollen
    • Datenbanken: es besteht ein Wildwuchs mit ANQ, Datenpool SASIS, RSS-Statistik, Trustcenter-Daten, MARS Projekt des Bundes sowie Pseudoqualitätslabels (EQAM). Wegen Fehlen einer einheitlichen Datenbank und weitgehend fehlender wissenschaftlich korrekter Bearbeitung, resultieren extrem teure und nicht validierte Aktivitäten. Tendenz: verteuert das Gesundheitswesen
    • Audits fehlen: unangemeldete Audits bei sensiblen Indikationsbereichen, insbesondere dort, wo ein Kostendruck aufgebaut wurde (Bonimedizin) wären ein einfaches präventives und zu Sanktionsakiviäten führendes Mittel, unnötige Indikationen zu evaluieren und zu eliminieren. Tendenz: verteuert das Gesundheitswesen
  • Kopfpauschalen
    • Fehlende Solidarität: die Kopfpauschalen erhöhen den Druck für die Bevölkerung, sich in nicht validierten Hausarztmodellen mit Budgetverantwortung anzumelden, womit sie auf eine automatische umfassende Betreuung verzichten. Die hohen Prämienkosten erzeugen zudem vereinzelt eine Anspruchshaltung. Tendenz: verteuert das Gesundheitswesen  
    • Prekariat: es wird geschätzt, dass rund 10% der in der Schweiz wohnhaften Bevölkerung aus Prekariats-Gründen gar nicht zum Arzt gehen, da sie sich noch nicht einmal die Franchise leisten können. Es ist klar, dass bei dieser Population die Prävalenz chronischer Krankheiten hoch ist. Die verspätete Therapie kann im Einzelfall die Kosten der Behandlung enorm erhöhen. Tendenz: verteuert das Gesundheitswesen 
  • Invalidenversicherung
    • Wie verachtend Systeme mit Menschen umgehen, sieht man wohl nirgends besser als bei der Invalidenversicherung. Enorm hohe Kosten bei der Abklärung von Rentenansprüchen und massive Zusatzkosten wegen zunehmend depressiv reagierenden Versicherten. Tendenz: verteuert das Gesundheitswesen 

Fazit: Geld macht gesund (zur Zeit aber nur die Krankenversicherer, nicht die Kranken)

Während die Kosten in der OKP zunehmend limitiert werden, binden ausufernde Overhead-Aktivitäten immer mehr Gelder, welche eigentlich den Versicherten gehören. So gesunden vor allem die Krankenversicherer immer mehr finanziell, während sich finanziell schlecht gestellte Personen das Gesundheitswesen nicht mehr leisten können. Es ist davon auszugehen, dass die Overhead Aktivitäten in den nächsten 10 Jahren die Kosten des Gesundheitswesen auf 18% des BIP erhöhen werden, ohne dass für diese Kosten je ein Effizienz-Nachweis erbracht werden wird. Daraus folgt: 
  • ein jährliches Minimaleinkommen für alle. Damit würde der Stress aus Geldmangel als Krankheitsfaktor unschädlich gemacht. Gleichzeitig Abschaffung der Invalidenversicherung
  • Abschaffung der Kopfprämien, Schaffung einer Steuern basierten Einheitsprämie
  • Abschaffung von Limitationen  
  • Unangemeldete zufällige Audits in kostensensiblen Bereichen der Medizin
  • Abschaffung von Managed-Care Modellen mit Budget-Verantwortung
  • Vereinheitlichung der Datenbanken auf öffentlich-rechtlich-universitärer Ebene: nationales OKP Institut, welches alle Rechnungen erhält (ohne Rechnung keine Bezahlung), kontrolliert und auf die Wirtschaftlichkeit hin mit adäquaten patient-profiling Modellen testet 
  • Rückstufung der Krankenversicherer auf Bereiche der Zusatzversicherungen

Die Kräfte im Gesundheitswesen verstehen

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen entstanden seit 2003 diverse Projekte, welche grösstmögliche Unabhängigkeit und Objektivität als Zielvorgabe zu beachten haben: der Verein Ethik und Medizin Schweiz VEMS und die ihm assoziierte Stiftung für Fairness im Gesundheitswesen fordern im Grunde nur, dass Objektivität und Nachprüfbarkeit statt Anekdoten ärztliche Handlungen qualifizieren und dass die Würde menschlicher Existenz unangetastet bleibt. 
 
Das dazu auch notwendige statistische Rüstzeug entstand neben der Ausbildung in Public Health am Institut für Sozial und Präventivmedizin der Uni Basel aus der eigenen Stiftung für kardiovaskuläre Prävention (VARIFO), wo insbesondere die Atherosklerose-Risiken anhand der Bildgebung besser quantifiziert werden können, ein wichtiger Schritt in Richtung individualisierte Medizin. 

Als glücklicher Umstand ist zu notieren, dass die Aktivitäten um VARIFO und VEMS gerade bei den unsachlichen Angriffen des Swiss Medical Boards auf die Prävention nicht übertragbarer Erkrankungen anhand dieses spezifischen Fachwissens statistisch und fachlich analysiert und falsifiziert werden konnten. 

Wer sich nicht intensiv mit Kräften und Entwicklungen im Gesundheitswesen auseinandersetzt, kann sich nicht wirklich einen Begriff von den Fehlentwicklungen und assoziierten Paradigmenwechsel machen. Der VEMS hat deshalb mittels Factsheets eine Basis geschaffen, damit Sie einen einfachen Einstieg in die komplexe Problematik des Gesundheitswesens und der aktuellen Probleme finden können. Die Lektüre der Factsheets muss wärmstens empfohlen werden: sie gestattet neben Übersicht im komplexen Fragen jederzeit die Möglichkeit, mittels einem Klick interessierende Probleme vertieft zu verstehen

Wenn zunehmend Verwirrung stiftende ökonomische Kräfte das Gesundheitswesen für ihre Zwecke transformieren, ist Aufklärung in der demokratischen Gesellschaft zwingend. Dazu leisten wir seit über 10 Jahren unseren Beitrag.

Projekte 2016

  1. Sterbehilfe: Arbeitsgruppe zur Erarbeitung von adäquaten Rahmenbedingungen unter der Aegide der Stiftung Fairfond.     
  2. WZW Verfahren adaptieren
  3. Utilitarismus und Gesundheitsökonomie, Grundlagenpapier des VEMS
  4. Overheadaktivitäten - wie weiter?
  5. Risikovorhersage für Herz- und Hirnschlag: innovative Konzepte der Stiftung Varifo
  6. Pharma Profiling und HTA Innovation
  7. Open Source Publication: was schief läuft (pending)