Nachruf von Rainer Höflacher

Nachruf auf Klaus Laupichler

*06.02.1954, †16.04.2015, 1. Vorsitzender des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg e.V. von 2010 bis 2015

Wahres Mitgefühl ist immer stark, 
und die wahrhaft Starken 
sind voller Zärtlichkeit.

Krishnamurti

Klaus Laupichler verstarb am 16.4.2015 im Alter von 61 Jahren in den Vormittagsstunden in Erkner bei Berlin. Auf einer Tagung endete sein Lebensweg, der in den letzten Jahren physisch und psychisch immer beschwerlicher für ihn geworden war. Nach einer schweren Herz-OP hatte er sich vorübergehend gut erholt. Aber in den letzten Jahren verschlechterte sich sein Gesundheitszustand wieder kontinuierlich. Er führte einen harten Kampf gegen die verschiedenen schweren Erkrankungen, die ihn so sehr einschränkten, dass er zuletzt kaum noch gehen konnte und unter großen Schmerzen litt. Er absolvierte regelmäßig physiotherapeutisches Training, auch wenn es ihm oft sehr schwer fiel dort hinzukommen. Vorausschauend hatte er sich schon nach einem Platz im Seniorenwohnen umgeschaut. Unverständlicherweise wurde sein Antrag auf eine Pflegestufe abgelehnt. Es fiel ihm immer schwerer zu Reisen. Er nutzte deswegen regelmäßig den Mobilitätsservice der Deutschen Bahn. Man hatte gemischte Gefühle, wenn er von seinen Abenteuern erzählte, die ihm auf seinen Reisen widerfuhren. 

Seit 1993 gab es im Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg erst zwei Vorsitzende. Seit 1998 war er dort Mitglied und einige Jahre Besitzer im Vorstand gewesen. Auch seine Vorgängerin, die Bundesverdienstkreuzträgerin Ursula Zingler, mit der ihn eine enge Freundschaft verband, war 2010 im Amt verstorben. 

Er leitete den LVPEBW bis zuletzt mit Beharrlichkeit und Führungsklugheit. Er setzte sich für psychiatrieerfahrene Menschen mit einer Empathie ein, wie sie selten zu finden ist. Wenn er aus frühen Jahre erzählte, erfuhr man Geschichten aus einem Leben, dass voll war mit intensiven menschlichen Begegnungen und außergewöhnlichen Erlebnissen. Schon damals setzte er sich für die Schwachen und Benachteiligten ein. Er mochte Liedermacher wie Konstantin Wecker und Franz Josef Degenhardt, deren Gedankengut sich auch noch heute in seiner politischen Grundhaltung wiederfand. Vor allem der Kampf gegen Faschismus, Rechtsradikalismus und gegen das Vergessen der Nazidiktatur mit der grausamen Ermordung behinderter Menschen war ihm ein stetes Anliegen.

Die Treffen mit ihm waren etwas Besonderes, anregend und intensiv. Sein Mitgefühl für die kleinen und großen Sorgen seiner Mitmenschen war sofort präsent. Es fiel im schwer, auf seine eigenen Bedürfnisse zu achten, wenn andere Menschen ihn brauchten. 

Er absolvierte 2011 den EX-IN-Kurs als zertifizierter Genesungsbegleiter und Dozent, was die Voraussetzung für seine Anstellung als Peer-Berater in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Heidenheim war. Mit viel Disziplin und Hingabe half er hier manchem Psychiatrie-Erfahrenen aus großer Not. 

In seinem bewegten Leben lernte er sehr viele Psychiatrie-Erfahrene mit deren Lebens- und Leidensgeschichten kennen. Aus eigener Erfahrung und dem Einfühlen in das Erleben anderer entwickelte er großes Wissen um menschliche Grenzsituationen und über das psychiatrische Hilfesystem. 

Auch wenn er auf großen Widerstand stieß, blieb er bei seinem Standpunkt, wenn er davon überzeugt war. Er war eine feste Größe im Bereich der Psychiatrie - sei es in seinem lokalen Wirkungsbereich Heidenheim, auf Landesebene in Baden-Württemberg, aber auch auf Bundesebene. Er hatte vielerlei Kontakte, die oftmals nach einiger Zeit sehr verbindlich und tief wurden. 

Seinem Schwerpunktthema "Heime" blieb er über viele Jahre hinweg treu. Und nicht nur aufgrund seiner eigenen leidvollen Heimerfahrung war er auf diesem Gebiet ein gefragter Fachmann geworden. 

Wenn sich Klaus Laupichler für die Anliegen Psychiatrie-Erfahrener einsetzte, wusste er von was er sprach. Frühere Wohnungslosigkeit, Alkoholsucht, Heimaufenthalt, hohe Dosierungen von Psychopharmaka, erlittene Zwangsmaßnahmen und die Symptome seiner psychischen Erkrankung hatten ihn zum Experten in eigener Sache werden lassen. Er hatte viele negative Erfahrungen mit dem psychiatrischen Hilfesystem gemacht, was aber nicht zu einer antipsychiatrischen Haltung führte, denn er ist trotzdem dankbar gewesen, für die Unterstützung, die ihm andererseits von vielen Psychiatrie-Fachpersonen widerfuhr. 

Er war zurecht stolz auf sich, dass er von ganz unten wieder nach oben kam und alleine in einer eigenen Wohnung selbstständig leben konnte. Er sagte mit einem Lächeln, dass er es geschafft hätte als ehemaliger psychisch kranker, wohnungsloser Alkoholiker Vorsitzender eines Landesverbandes mit fast 350 Mitgliedern zu werden. Mit einem Augenzwinkern erzählte er auch, dass er es genieße heute mit der Bahn mit einer gültigen Fahrkarte zu fahren. 

Der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener, wo er zeitweise Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes war, lag ihm seit langem am Herzen. Er sagte, er habe diesem vieles zu verdanken und dort gute Menschen kennen gelernt. Umso mehr schmerzten ihn die Positionskämpfe zwischen den Verbänden bei denen er mannhaft seine Meinung vertrat. 

Auch mit der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie war er eng verbunden. Bis 2015 war er hier Mitglied des erweiterten Vorstandes gewesen. Er arbeitete dort in den Fachausschüssen "Menschen in Heime", "Psychopharmaka" und "Forensik" mit, auch wenn es ihm zuletzt sehr schwer fiel die anstrengenden, weiten Reisen zu bewältigen. Vor allem deswegen trat er Anfang 2015 von diesem Amt zurück. 

Seit Jahren war ihm die Zusammenarbeit mit der Aktion Psychische Kranke besonders wichtig. Hier war er Mitglied gewesen und hatte dort bedeutsame Personen kennen und schätzen gelernt. Mit einigen herausragenden Persönlichkeiten innerhalb der Psychiatrie hatte er ein enges Verhältnis; es entstanden mit der Zeit sogar Freundschaften. 

Klaus Laupichler konnte durchaus auch kritische Worte sagen und das nicht immer zu Freude mancher Fachpersonen. Aber trotzdem war er eine Art Vermittler zwischen professionell Tätigen und Psychiatrie-Erfahrenen. Und in dieser Funktion war er überall angesehen und respektiert. 

Einer seiner letzten Pläne war eine Reise nach Hamburg zu Dorothea Buck, der er eng verbunden war. Er wollte die inzwischen bettlägerige 98jährige noch einmal sehen und mit ihr sprechen. Leider war ihm diese Freude nicht mehr gegönnt.


Es gibt nur eine Möglichkeit einen Freund zu haben: man muss selbst einer sein. Ralph Waldo Emerson

Rainer Höflacher am 19.4.2015 

Auswahl der Tätigkeiten von Klaus Laupichler

  • Mitgliedschaften
    • 1998 Mitglied im Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg (LVPEBW) e.V.. Dort 1. Vorsitzender  von 2010 bis 2015. Zuvor hatte er mehrere Jahre im LVPEBW das Vorstandsamt des Beisitzer inne. 
    • Mitglied des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener Rheinland-Pfalz e.V.
    • Mitglied der Aktion Psychisch Kranke (APK)
    • Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Sozial Psychiatrie (DGSP) e.V.. Dort im erweiterten Vorstand bis 2015
    • Zeitweise Geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener (BPE) e.V.
  • EX-IN
    • Anstellung als Peer-Berater der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Heidenheim
    • Zertifizierter EX-IN-Genesungsbegleiter und Dozent
  • Buchprojekt zusammen mit Dr. Martin Zinkler zu Zwang und Gewalt in der Psychiatrie (unvollendet)
  • Schwerpunktthema Heime
    • DGSP-Fachausschuss "Menschen in Heimen" (bis heute)
    • Zahlreiche Besuche in Heimen
    • Co-Leitung von Fortbildungen zum Thema Heime
    • Eigene Heimerfahrung´
  • Veranstaltungen
    • Forum des Landespsychiatrietages 2015 „Wohnen für Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung“
    • Co-Leitung von verschiedenen Workshops, Seminaren, AGs und Fortbildungen
    • Co-Leitung der „Sozialpsychiatrischen Fortbildung“ der DGSP
    • Vorträge und Podiumsteilnahmen
  • Schwerpunktthema Psychopharmaka
    • DGSP-Fachausschuss "Psychopharmaka"
  • Schwerpunktthema Forensik
    • DGSP-Fachausschuss "Forensik" (bis heute)
  • Mitwirkung bei der Erstellung der S2-Leitlinie „Therapeutische Maßnahmen bei aggressivem Verhalten in der Psychiatrie und Psychotherapie“
  • Mitglied im Arbeitskreis zur Prävention von Gewalt und Zwang in der Psychiatrie
  • Umfangreiches Psychiatrie-Engagement in der Region Heidenheim
  • Zertifizierter Bürgermentor der Stadt Heidenheim
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