Nachruf von Nobert Südland

Aalen, 16. April 2015

Nachruf: Klaus Laupichler ist am Morgen des 16. April 2015 in Erkner bei Berlin an einem Herzinfarkt verstorben. Er wurde 61 Jahre alt.

 

Klaus Laupichler (https://www.facebook.com/klaus.laupichler.3) stammt aus dem Hause Barbarossa, was auch seine Haarpracht bis zuletzt deutlich machte. Er beteiligte sich früh an Demonstrationen und Einsatz für die Rechte Ausgestoßener. Als Psychiatrie-Patient gehörte er mindestens 50 Jahre lang selbst zu einer Gruppe, die auch heute noch von vielen Bürgern des Landes gemieden wird.

Hätte sich die Verwandtschaft nicht gegen ihn gestellt, hätte er sein Studium in Tübingen erfolgreich abschließen können. Es kam anders, wie für sehr viele   Psychiatrie-Erfahrenen bis heute. Er durchlebte viele Höhen und Tiefen des Lebens und wusste so oft genug aus eigener Erfahrung, wie es einem Psychiatrie-Erfahrenen dabei gehen mag.

Er war unter anderem Mitglied bei der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie (DGSP), beim Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE), beim Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg (LVPE BW), beim Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Rheinland-Pfalz (LVPE RLP), bei der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Soteria (IAS) und bei vielen regionalen Gruppen im Landkreis Heidenheim/Brenz.

Vor elf Jahren formulierte er eine Zusammenfassung seines Lebens in Schömberg: "Mein Leben ist mit der Psychiatrie verbunden, und so wird es bleiben" (sinngemäß zitiert). Mit ihm verlieren alle Psychiatrie-Erfahrenen – insbesondere die in Heimen lebenden – eine Kapazität mit 50 Jahren erlebter und mitgestalteter Psychiatrie-Geschichte in Deutschland.

Ab seinem 61. Geburtstag deutete er deutlicher an als bisher, dass es zu Ende gehen könnte. Er reduzierte die Außentermine, stellte einen Antrag zur Aufnahme in ein Altersheim, kündigte bei der REGIO 2015 an, dass er im kommenden Jahr nicht mehr für den Vorsitz beim Landesverband Psychiatrie-Erfahrener zur Verfügung stehen wird. Seine Gesundheit nahm in den letzten elf Jahren, seit ich ihn kenne, kontinuierlich ab. 2009 wäre ich (nicht er!) beinahe in seiner Wohnung verstorben. Er wusste damit umzugehen. Angesichts des Todes war sein Wunsch immer: "Würdig sterben – selbst wenn es im Straßengraben ist."

Es wird nun insbesondere im Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg wichtig sein, die entstandene Lücke ohne Streit und mit Sorgfalt so gut wie möglich zu schließen. Dass sie nicht wirklich zu schließen ist, wissen alle, die Klaus und seine Leistungen kannten.

Comments