Nachruf von Martin Zinkler

Nachruf Klaus Laupichler

 Klaus Laupichler ist am 16.04.2015 in Erkner bei Berlin im Alter von 61 Jahren verstorben. Klaus Laupichler war Vorsitzender des Landesverbandes der Psychiatrieerfahrenen in Baden-Württemberg, Mitglied im erweiterten Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP), Mitglied im Gemeindepsychiatrischen Verbund des Landkreis Heidenheim und Peer-to-Peer Berater am Klinikum Heidenheim.

 Klaus Laupichler war ein kritischer Begleiter der deutschen Psychiatrie. Er hatte 1965 erstmals Erfahrung mit der noch unreformierten deutschen Nachkriegspsychiatrie, erlebte Höhen und Tiefen bis zur Obdachlosigkeit und Mittellosigkeit. Klaus Laupichler absolvierte zunächst eine kaufmännische Ausbildung und machte das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, mit dem Ziel Pfarrer zu werden. Er studierte Theologie und wechselte ins Studium der Pädagogik. Psychische Erkrankung und Alkoholabhängigkeit warfen ihn aus der Bahn.

 Bei seiner allmählichen Genesung waren persönliche Begegnungen mit Menschen entscheidend, im psychiatrischen Hilfssystem und außerhalb. Daraus entwickelten sich anhaltende, intensive und hilfreiche Beziehungen. Er lebte seit über 20 Jahren in Herbrechtingen, engagierte sich vor Ort und auch bundesweit für eine menschenwürdige Psychiatrie und gründete die erste Selbsthilfegruppe für psychisch kranke Menschen im Landkreis.

 Klaus Laupichler argumentierte engagiert und persönlich; er beteiligte sich konstruktiv an den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) zu therapeutischen Maßnahmen bei aggressivem Verhalten. Immer war er sich den Widersprüchen bewusst, die sich daraus ergaben, dass er auf der einen Seite immer wieder auf die Hilfe der Psychiatrie angewiesen war, auf der anderen Seite aber nicht bereit war, über Missstände, unmenschliches Verhalten und kärgliche Ausstattung der Psychiatrie hinwegzusehen.

 In einer persönlichen Stellungnahme zu den Leitlinien der DGPPN  schrieb er: „Ich kenne die Psychiatrie seit 1965 von innen, als Angehöriger und als Patient. Ich sehe die Entwicklung der Psychiatrie als Betroffenenvertreter und lange Zeit auch als Verantwortlicher einer württembergischen Selbsthilfegruppe und Bewohnerdelegierter sehr kritisch. Trotz aller Bedenken hielt ich es für wichtig, auch aus den eigenen Widersprüchlichkeiten heraus, an dieser Leitlinie mitzuarbeiten. Es ist eine Leitlinie von Professionellen für die Psychiatrie und das heißt, dass ich einige Passagen nicht mittragen kann (2009).“

 Klaus Laupichler absolvierte die Ausbildung zum Genesungsbegleiter im Ex-In (Experience-Involvement) Programm und war seit 2009 jede Woche als Peer-to-Peer Berater in unserer Klinik tätig. Er war für unsere Patienten und Angehörigen ein glaubwürdiger, zuverlässiger und sie immer wertschätzender Ansprechpartner. Es war ihm ein großes Anliegen, weitere Psychiatrieerfahrene für diese Tätigkeit zu gewinnen und engagierte Angehörige dazu zu bewegen, sich für eine bessere Psychiatrie auf örtlicher und überregionaler Ebene einzusetzen.

 Klaus Laupichler hatte noch vieles vor, er wollte die im neuen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz für Baden-Württemberg vorgesehene Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle ins Leben rufen und bei den Besuchskommissionen für die psychiatrischen Kliniken in Baden-Württemberg mitarbeiten. Was bleibt sind die Erinnerungen an die Zusammenarbeit und die Dankbarkeit für seinen unermüdlichen Einsatz. Wir werden ihn noch lange Zeit schmerzlich vermissen.


Dr. Martin Zinkler
Kliniken Landkreis Heidenheim gGmbH,
Gemeindepsychiatrischer Verbund Landkreis Heidenheim

 

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