Terminalia chebula

Terminalia chebula – Samoo Thai / Thailändische Heilpflanzen im Kurzporträt
Josef Burri, Bernhard Uehleke

Terminalia chebula Retz. aus der Familie der Combretaceae, ist im deutschsprachigen Raum unter den Namen chebulische Myrobalane oder Schwarze Myrobalane bekannt und im Englischen als myrobalan. Der 20–30 m hohe Laubbaum ist in ganz Süd- und Südostasien bis in den Süden und Südwesten Chinas verbreitet. Für therapeutische Zwecke finden vor allem die rund 3 cm großen Steinfrüchte Verwendung [Abb. 1]. In der Regel werden sie getrocknet. Dabei schrumpfen sie zusammen und gleichen dann Walnüssen; deshalb taucht gelegentlich auch die Bezeichnung „Myrobalan-Nuss“ auf.

Die Myrobalane spielt in der Mythologie Asiens eine herausragende Rolle. So begegnen wir in der bildenden Kunst aus Myanmar und Nordthailand gelegentlich Buddha mit der Myrobalane; dabei führt die Figur eine seltene Mudra (Handstellung) aus, indem sie in der rechten Hand eine Myrobalanfrucht hält [Abb. 2a, b]. Der Legende nach gelangte Buddha nach einer langen, kräftezehrenden Periode der Meditation zur vollkommenen Erweckung oder Erleuchtung. Da näherte sich der Gott Indra dem erschöpften Buddha und schenkte ihm zur Stärkung die Frucht des Myrobalanbaumes. Der in den Veden als Götterkönig beschriebene Gott Indra als Spender, also die höchste göttliche Macht innerhalb der frühen Brahmanen-Religion, tritt uns hier als Freund Buddhas entgegen. Natürlich handelt es sich dabei um eine buddhistische Interpretation, worin die Hindu-Götter als Förderer des Buddhismus dargestellt werden. Immerhin verweist eine solche Sicht auf die enge historische und mythologische Beziehung zwischen Hinduismus und Buddhismus. Die Myrobalanfrucht ist auch das Attribut des Medizin-Buddhas Bhaishajyaguru im tibetischen Buddhismus. Außerdem überreicht der historische Buddha Früchte und Zweige der Myrobalane an Hilfebedürftige. Interessanterweise wird die Myrobalane, in Indien Haritaki genannt, auch mit dem Gott Shiva in Verbindung gebracht, dem Schöpfer und Zerstörer, was ihre Bedeutung als besonders potentes Heilmittel unterstreicht.

Dieser kurze Ausflug in die indische Mythologie ist ein Indiz für die Wirkkraft der Myrobalane in den Medizinsystemen Indiens und zahlreicher anderer Länder Südostasiens. Möglicherweise wurde der therapeutische Nutzen der Myrobalane in unterschiedlichen geografischen Räumen entdeckt. Mit der „Indisierung“ Südostasiens und über ein weit verzweigtes Handelsnetz wanderte das lokale Heilwissen im ersten Jahrtausend sowohl von Westen nach Osten als auch umgekehrt. Bereits im 7. Jahrhundert bereiste der indische Mönch Punyodaya das damalige Kambodscha mehrmals und erkundigte sich bei den einheimischen Spezialisten über die dortige Pflanzenheilkunde. Das Angkor-Reich (9.–15. Jahrhundert) kannte die Heilkraft der Myrobalanfrucht. Der deutsche Arzt und Forschungsreisende Engelbert Kaempfer besuchte Ayuthaya, die Hauptstadt Siams, gegen Ende des 17. Jahrhunderts und notierte sich Heilmittel, die er in einheimischen Drogerien fand, u.a. auch Terminalia chebula [1].

In der traditionellen thailändischen Medizin wird die Myrobalane für Menschen mit dem Wind-Element empfohlen; dieses ist durch die Bewegung innerhalb und außerhalb des Körpers charakterisiert und bezieht sich auf die Blutzirkulation, den Atem und den Stoffwechsel. Die reife Frucht reguliert die Verdauung und hilft bei schwerem, vollem Magen (Stein im Bauch) sowie bei Dysenterie; bei Durchfall gelangt vor allem die unreife Frucht zur Anwendung. (Bei schweren Durchfallerkrankungen greifen die Thai heutzutage auf Antibiotika zurück. Die Heilkraft der Myrobalane scheint bei jungen Leuten in Vergessenheit geraten zu sein.) Ein zweites Einsatzgebiet der Myrobalane sind „Entgleisungen“ auf der Haut (beispielsweise allergische Reaktionen) und im Nervensystem. Daneben existieren zahlreiche weitere Empfehlungen. In Nordthailand soll die Myrobalane ein langes und gesundes Leben fördern [2].

Da selten frische Früchte zur Verfügung stehen, gelangt vor allem die getrocknete, pulverisierte Droge zur Anwendung, heutzutage meistens in Form von Kapselpräparaten. Für die heiße Jahreszeit und zur Stärkung von Nieren und Leber wird eine Teezubereitung, Triphala genannt, in Kombination mit Indischer Stachelbeere (Phyllanthus emblica, Amlabaum; s. ZPT 5-2018) und Belerischer Myrobalane (Terminalia belerica) empfohlen.

Wissenschaftliche Bewertung
Die Früchte enthalten neben anderen Glykosiden, Triterpenen und Gerbstoffen auch spezifische Derivate wie Arjungglucosid, Arjugenin, Chebuloside und Chebulin sowie deren Säuren. Letztere zeigt als phenolische Verbindung antibakterielle Eigenschaften.

Es liegen mehrere klinische Studien zur antibakteriellen Wirkung im Mundbereich und zur Eignung als Mundwasser vor. Weiterhin wurde in einer 3-armigen Studie mit 2 Dosierungen (2 x tgl. 250 bzw. 500 mg) eines wässrigen Extrakts versus Placebo bei 105 übergewichtigen Patienten mit Kniebeschwerden eine Abnahme der Kniebeschwerden und einiger Entzündungsparameter beobachtet [3]. Leider gibt es zu den tradierten Claims keine klinischen Studien mit Monopräparaten, sondern nur mit Kombinationen [4].

1 Kaempfer E. Werke. 4 – Engelbert Kaempfer in Siam. München: Iudicium Verlag; 2003: 36-38
2 Manosroi A, Jantrawut P, Akihisa T. et al. In vitro anti-aging activities of Terminalia chebula gall extract. Pharm Biol 2010; 48: 469-481
3 Lopez HL, Habowski SM, Sandrock JE. , et al. Effects of dietary supplementation with a standardized aqueous extract of Terminalia chebula fruit (AyuFlex®) on joint mobility, comfort, and functional capacity in healthy overweight subjects: a randomized placebo-controlled clinical trial. BMC Complement Altern Med 2017; 17 (01) 475
4 Eliasvandi P, Khodaie L. Mohammad Alizadeh Charandabi S, Mirghafourvand M. Effect of an herbal capsule on chronic constipation among menopausal women: A randomized controlled clinical trial. Avicenna J Phytomed 2019; 9: 517-529

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